Rezensionen

The Decemberists – The Hazards Of Love

Hoch ambitioniert bringen The Decemberists mit „The Hazards of Love“ ihr fünftes Album heraus und trauen sich hier von den ihnen gewohnten Mustern weg, um einen Ausflug in die Welt der Rockopern zu wagen. Eine Liebesgeschichte mit mythologischem Hauch begleitet von einer große Variation an nicht nur folkigen Decemberists Klängen ist der Inhalt der fast einstündigen Platte. Den Ursprung hat die Platte in der Idee Colin Meloys ein Musical zu kreieren. Die konzipierte Geschichte wurde dann allerdings als nicht für die Bühne geeignet angesehen und so wurde ein Rock-Album daraus. Meloy selber zeigt sich wenig begeistert von dem Term Rockoper, doch kann er die Tatsache, dass es wohl dennoch eine ist damit nun nicht mehr beeinflussen. Zu stark sind dafür auch typische Opera-Qualitäten, wie Prelude, Interludes und wiederkehrende Themen benutzt worden. Es wurden Becky Stark von Lavender Diamond und Shara Worden engagiert, um die weiblichen Rollen zu besetzen. Die Lieder sind zudem alle ineinander verworren und ohne Pausen durch Übergänge verknüpft. In ihnen wird die Geschichte von Margaret erzählt, die nach einer Liaison mit einem Shapeshifter entdeckt, dass sie schwanger ist und nun in die Taiga geht.

Dort könnte die Beziehung zum Geliebten geführt werden, doch die Königin des Waldes, welche ihn aufzog, ist eifersüchtig. Zudem spielt noch die Figur „Rake“ mit, der seine Kinder tötete und schließlich Margaret entführt. Die Geschichte ist verwirrend, oftmals ambivalent und anhand der Lyrics wohl auch nicht eindeutig auszumachen. Das sie nun in ihrer Präsenz keinen allzu großen Anspruch stellt ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass die Handlung ja die Grundlage der Entstehung des Albums war. Von dem musicalartigem ist generell wenig geblieben. Die verteilten Rollen und, von den Stücken, vielleicht das Duett „Isn’t It A Lovely Night“ und die Kinderstimmen in „The Hazards Of Love 3 (Revenge!)“ lassen die Hintergründe vielleicht noch erahnen. Der Rest wurde, Gott sei Dank, von diesem Genre abgewandt. So bietet die Platte durchaus gute Lieder. Highlights sind wohl „The Wanting Comes in Waves/Repaid“ und „The Rake’s Song“. Das erstgenannte ist wohl das zentrale Stück und auch das, welches durch die Wiederholungen seiner Motive am eingängigsten bleibt. Obwohl es im Geschehen eine wichtige Rolle spielt, kann es musikalisch dennoch alleine stehen und klingt einfach wie ein wirklich gutes, rockiges Decemberists Lied. Allerdings eines bei dem der Text ohne Zusammenhang noch weniger Bedeutung erlangt. „The Rake’s Song“ dagegen kann durch seine düster humoristische Art durchaus alleine stehen, vielleicht auch, da der Charakter vorher noch nicht eingeführt war und seine eigene Geschichte erzählt. Leider schaffen es die übrigen Lieder nicht sich so auch einzeln einzuprägen. Als Album klingt auch schön zusammen und doch fehlt etwas die Freude an dem was geboten wird. Bis auf kleinere Ausnahmen wirkt alles sehr ernst und bemüht und wird so, vor allem auf die Dauer einer Stunde, etwas anstrengend. Vielleicht hätten etwas mehr Humor und Ironie, die hin und wieder ja durchaus positiv rausstechen, geholfen das Ganze nicht nur musikalisch etwas lebhafter zu erhalten.

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