Rezensionen

The Cinematics – Love And Terror

Nächste Woche erscheint mit „In This Light And On This Evening“ bereits das dritte Album der Londoner Editors. Warum das nun interessant für einen Text über das neue The Cinematics Album ist? Dafür gehen wir zurück in die Anfangszeit der Bands, als Editors übrigens noch The Editors hießen. Beide kamen etwa zur gleichen Zeit in England auf und spielten Indie-Rock, der deutlich vom 80er Jahre New Wave der Marke Joy Division geprägt war. Also spielten beide Bands auch eine Tournee zusammen und wurden als Geheimtipps gehandelt. Eine der beiden Bands hat inzwischen den Durchbruch geschafft und die ganze Indie-Gemeinde fiebert ihrem dritten Release entgegen. Mit den Glasgower The Cinematics meinte es das Schicksal nicht so gut. Die bekamen nach zähen Verhandlungen und Arbeiten mit ihrem ersten Label ihr Debüt-Album „A Strange Education“ erst 2007 in die Läden und standen nach der Pleite von TVT Records kurz darauf bereits wieder ohne Label da. Da wir aber in einer Zeit leben, in welcher das Ende mit dem einen Label eine große Chance bedeuten kann, berappelten sich The Cinematics schnell, verbrachten den größten Teil des letzten Jahres in Proberäumen und auf Tour und schafften es ihr neues Album bei einem neuen Label unterzubringen.

Das neue Album ist nun so etwas wie ein neuer Anfang für The Cinematics, das meinte auch bereits Sänger Scott Rinning im Interview mit uns, wo er sagte: „Mit dem neuen Label und durch die neue künstlerische Freiheit, die wir dadurch gewonnen haben, fühlt es sich nun ein wenig so an, wie ein zweites Debüt“. Zurück auf Anfang also und so legt das Quartett aus Glasgow denn auch gleich „beschwingt“ los. Beschwingt deshalb in Anführungszeichen, weil der dunkle Wave-Sound mit zackigen Gitarren, dichter Atmosphäre und eindringlichem Gesang natürlich nicht im klassischen Sinne beschwingt wirkt. Die Songs gehen deutlich in die Beine und zerren vor allem auf die Tanzfläche. Parallelen zu den Editors zu ziehen macht an dieser Stelle natürlich auch Sinn, schließlich kamen beide Bands zur gleichen Zeit auf. Die Gemeinsamkeiten mit den Editors muss man dann aber auch schon auf ein paar Songs ihres Debüts „In The Backroom“ beschränken, denn wo sich die Editors etwas dem Pop geöffnet haben, sind The Cinematics inzwischen etwas rauer und düsterer geworden. So ist etwa der Titelsong „Love And Terror“ eine dunkle Wave-Hymne mit tiefem Bass und beinahe paranoidem Gesang, die von Tom Smith und Co so wohl nie geschrieben worden wäre, aber diesen Vergleich haben wir nun auch ausreichend bemüht, The Cinematics besitzen schließlich genügend Eigenständigkeit. Das unterstreichen sie dann auch gleich mit einem Song, wie „New Mexico“, der mit gewitzter Gitarrenmelodie und perfektem Spannungsbogen absolutes Hit-Potential besitzt. Von dieser Sorte gibt es mit „Hospital Bills“, „Wish (When The Banks Collapse“ und „Moving To Berlin“ auch noch eine ganze Reihe weiterer Hit-Kandidaten, die dafür sorgen könnten, dass viele den Release des nächsten Editors Albums (da haben wir sie wieder) glatt übersehen und sich lieber „Love And Terror“ in den Plattenschrank stellen. Wobei sie nebeneinander bestimmt auch keine schlechte Figur machen. Wer übrigens einen wirklich passenden Vergleich mit einer anderen britischen Band möchte, dem empfehlen wir noch The Departure (gibt’s die eigentlich noch?).

Rating: ★★★★½

The Cinematics

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