Rezensionen

The Boxer Rebellion – Union

Eigentlich war die Karriere von The Boxer Rebelion schon vorbei, bevor sie überhaupt begann. Circa 2005 veröffentlichten sie ihr Debüt-Album „Exits“ auf Alan McGees Label Poptones, nur zwei Wochen nach dem Release wurde der Vertrag aufgelöst und die Band stand wieder vor dem Nichts. Statt aber die Köpfe in den Sand zu stecken schaute das Quartett lieber nach vorn und nutzte den Namen, den sie sich bereits erspielt hatten, um sich ihren Platz in der englischen Musikszene unabhängig und ohne Label im Rücken zu erspielen. So finanzierten sie sich dann auch die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album „Union“, das sie letztes Jahr nach der harten Arbeit der Vorjahre selbst digital veröffentlichten. An dieser Stelle muss ihr ehemaliges Label dann spätestens auch die unglückliche Entscheidung bereut haben. Denn das Album ging direkt auf Platz 1 der iTunes-Charts und The Boxer Rebellion waren wieder in aller Munde. Kein Wunder, dass sich die Vertriebe in der Folge darum rissen, das Werk auch physisch in die Läden bringen zu dürfen.

Zurecht, denn ihr selbstproduziertes zweites Album zeigt dichtes Songwriting mit großen Melodien und packender Atmosphäre. Dazu bedienen sie sich bei den Größen der britischen Musikszene, nämlich Radiohead, Oasis und The Verve. Für Fans der letzten beiden könnten The Boxer Rebellion zu so etwas wie der neuen Lieblingsband werden, eine Rolle, die das Quartett bestimmt auch gern einnimmt. Warum auch nicht, denn das letzte Mal, dass beide Bands ein so durchweg überzeugendes Album vorgelegt haben, liegt ja nun auch schon ein wenig zurück. Tun werden sie das in nächster Zeit auch nicht, da es beide nicht mehr gibt. Der Opener von „Union“, „Flashing Red Light Means Go“ unterstreicht dann mit stampfenden Drums, schwelgerischer Gitarrenmelodie und melancholischem Gesang, der ein wenig an Thom Yorke erinnert, warum The Boxer Rebellion so etwas wie die neuen Helden der britischen Musikszene werden könnten. Wie einst The Verve, an deren frühe Schaffenszeit sie mit diesem Stück erinnern. „Move On“ klingt dann mit wehklagend jaulendem Gesang, dumpfem Bass und dynamischem Gitarrenspiel, wie ein Stück der frühen Radiohead. Aber „Union“ ist glücklicherweise mehr als ein Abklatsch britischer Musik der letzten 20 Jahre, auch wenn Einflüsse immer wieder anklingen ist die Band doch immer als eigenständig zu erkennen. So erinnert „Move On“ mit seinem treibenden Rhythmus und rau kratzigem Gesang etwas an die Stereophonics, aber hebt sich dank Tempo- und Stilwechsel mitten im Stück dann wieder ab. Alle elf Stücke von „Union“ bieten größtes Unterhaltungspotential und vor allem viel Abwechslung, da The Boxer Rebellion viele Facetten von düster, melancholischem Indie-Rock bis hin zu hymnenartigem, epischem, fast Stadiontauglichem Brit-Pop abdecken. Ein Album, mit dem das Quartett gekonnt den britischen Sound der letzten 20 Jahre in die heutige Zeit transportiert und mal eben der gesamten Musikindustrie den Spiegel vorhält.

Rating: ★★★★½
The Boxer Rebellion
Das Album im Stream bei 3voor12


Youtube direkt

Myspace // Homepage

Union – bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive