Rezensionen

The Boxer Rebellion – The Cold Still

The Boxer Rebellion haben es in ihrer knapp 10jährigen Bandgeschichte geschafft ein wenig Geschichte im digitalen Zeitalter zu schreiben. Nachdem sie kurz nach dem Release ihres Debüts „Exits“ von ihrem Label geflogen waren, veröffentlichten sie ihr zweites Album „Union“ auf eigene Faust und waren damit die erste Band ohne Label, die es schaffte die amerikanischen Album Top 100 zu entern. Die Band ist trotzdem auf dem Boden geblieben und schlug für ihr drittes Album „The Cold Still“ alle Angebote für einen Labelvertrag aus und veröffentlichte es wieder selbst. Für den Vertrieb suchte man sich natürlich zuverlässige Partner, um der inzwischen weltweiten Fanbasis auch einen physischen Release bieten zu können.

Als Produzenten wählten die Indie-Rocker Ethan Johns aus, der sich unter anderem schon einen Namen mit Alben für die Kings Of Leon, Ray LaMontagne und vor allem Ryan Adams gemacht hat. Um einen direkteren Sound zu erzielen entschied man sich dazu das Album direkt live im Studio einzuspielen. Man meint schon ab der ersten Minute den Einfluss von Ethan Johns zu hören. Der Sound ist tatsächlich direkter und organischer, als man ihn von The Boxer Rebellion kennt. Das Tempo ist aber auch deutlich niedriger, als noch auf „Union“. Wo die Band in der Vergangenheit noch wuchtige Soundwände auffuhr, wie in „Flashing Red Light Means Go“, oder wie in „Evacuate“ mit hohem Tempo und Aggresivität durch die Songs preschte, ist nun viel Raum. Der Opener „No Harm“ bleibt dann auch so harmlos wie der Songtitel. Sänger Nathan Nicholson singt im langsamem Takt zu hallenden Drums in einem Stück, für das sich wohl nicht einmal Coldplay Originalität rühmen würden. Mit schepperndem Bass und ordentlichem Tempo weiß dann immerhin die Single „Step Out Of The Car“ zu überzeugen. Stimmiger Indie-Rock mit der gewissen Prise Pathos in der Stimme von Nathan. Das macht Laune. Die vergeht aber schnell auch wieder. Zu häufig bedienen sich The Boxer Rebellion in der Folge in ihrer eigenen Vergangenheit, ohne aber ihre wirklich originellen Momente mitzunehmen. Dabei plätschern sie dann meist in gefälligen, ruhigen Bombastinstrumentierungen daher. Ein Song, wie „Organ Song“ könnte dabei sogar aus der Feder von Take That klingen. In „Both Sides Are Even“ blitzt dann doch noch etwas auf, mit Anleihen bei Radiohead spinnt die Band hier ein episches Stück, das sich in fünf Minuten immer weiter empor schwingt. Mit noch mehr solcher Momente hätte aus „The Cold Still“ ein mitreißendes Album werden können. So bleiben am Ende nur eine handvoll okayer Songs und die Frage warum zur Hölle die Band sich im letzten Song „Doubt“ ausgerechnet darin versucht wie die Fleet Foxes zu klingen.

Rating: ★★½☆☆

The Boxer

Youtube direkt

The Boxer

The Boxer

Myspace // Homepage

Discussion

Comments are closed.

Archive