Rezensionen

The Boxer Rebellion – Promises

The Boxer Rebellion - Promises

Es gibt so Bands, bei denen man eine etwas verzerrte Wahrnehmung hat. Ohne große Fans dieser zu sein erscheinen sie einem immer viel erfolgreicher und größer, als sie tatsächlich sind. The Veils sind so eine Band. Frontmann Finn Andrews hat eine solche Ausstrahlung, dass es auf uns immer so wirkt, als wäre die Band mindestens auf einer Ebene mit Elbow anzusiedeln. Das haut leider weder von der Anzahl der Alben hin, noch vom Erfolg, denn The Veils dümpeln nach wie vor vor sich hin und werden im Herbst aus irgend einem Grund gerade einmal Clubs der Größe des Kölner Blue Shell beschallen.

Auch die britischen Indie-Rocker von The Boxer Rebellion gehören für uns in diese Kategorie. Vielleicht auch, weil ihr Debüt „Union“ in Großbritannien ein solcher Überraschungserfolg war und wohl auch wegen der Top 70 Platzierung von „The Cold Still“. So ist die Band unserem Empfinden nach mindestens auf der Erfolgsstufe der Editors anzusiedeln, was natürlich Unsinn ist, da die Briten nach wie vor eher eine Randerscheinung in der britischen Musikszene sind und ihnen Bands wie White Lies den Status abzulaufen drohen.

Mit ihrem dritten Album „Promises“ nehmen The Boxer Rebellion nun wieder Anlauf auf Editors und demonstrieren auch, warum wir sie als „groß“ empfinden. Produziert hat das Album Billy Bush, der schon für Garbage, The Subways, Muse, Beck, Ash und eben The Boxer Rebellion arbeitete. Klingt auch groß, bei den meisten war er jedoch Co-Produzent, Tontechniker, bzw. meist „nur“ Mischer. Eine Mogelpackung? Soweit würden wir nicht gehen, vielmehr hat sich Bush, der seit 2010 mit Garbage Frontfrau Shirley Manson erst hocharbeiten müssen, schließlich setzt ja auch kein Bundesliga-Verein direkt einen Stefan Effenberg auf die Trainerbank, der muss sich auch erst einmal eine solche Position verdienen. Die Wahl von The Boxer Rebellion war für „Promises“ dann auch keine schlechte Entscheidung.

Nachdem Ethan Johns der Band auf „The Cold Still“ einen Sound verpasste, der sich mit jeder Menge Soundwänden etwas in Eintönigkeit verlor, hat Bush nun wieder packendere Melodien aus der Band gekitzelt. Der Grundsound ist dabei natürlich unverändert. Gitarrenwände treffen auf den mal zurückgenommen nachdenklichen und mal euphorisch emporschwingenden Gesang von Nathan Nicholson. Viel Hall, treibende Drums und hymnische Melodien ergeben Songs irgendwo zwischen The Verve, The National, Editors und Interpol. Der Opener „Diamonds“ macht sofort Lust auf mehr. Eine fesselnde Stimmung und viel Raum zur Entfaltung machen das Stück zu einem astreinen Hit. Davon gibt es einige auf „Promises“, da The Boxer Rebellion nun auch auffallend viel Pop-Appeal besitzen. Dabei geht es mit ihnen aber auch manchmal etwas durch und sie klingen zum Beispiel bei „Take Me Back“ seltsam nach den Delays. „Keep Moving“ könnte so auch von The Killers stammen. „New York“ ist dafür eine wunderbar wuchtige Ballade mit druckvollen Drums. Und gerade gegen Ende entschädigt „Promises“ für die zwischenzeitlichen Durchhänger mit dem packenden Fünfminüter „Dreams“, der eine herrliche Wall Of Sound bietet. Auch der Titelsong „Promises“ ist ein astreiner Rausschmeißer mit angenehmem Tempo und wohl dosiertem Bombast. Ob The Boxer Rebellion mit „Promises“ nun wirklich „groß“ werden wissen wir nicht, sie haben auf jeden Fall ein Album aufgenommen, das phasenweise wirklich groß klingt.

The Boxer Rebellion auf Deutschland-Tour

17. September 2013, Köln – Gebäude 9
19. September 2013, Berlin – Lido
25. September 2013, Leipzig – Werk2
26. September 2013, Hamburg – Reeperbahn Festival
27. September 2013, Frankfurt – Das Bett
29. September 2013, München – Ampere

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