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The Antlers – Hospice

„Hospice“ bedeutet „Herberge“, für das so betitelte The Antlers Album könnte man das Wort auch frei als „Zuflucht“ übersetzen. Denn zwei Jahre schloss sich der 23 jährige Songwriter Peter Silberman in sein Manhattener Apartment ein und schrieb Songs. Ein Album also als städtischer Gegenentwurf zu Bon Iver’s einsamem Waldhüttenalbum „For Emma, Forever Ago“? Gar kein so weit hergeholter Vergleich, denn auch „Hospice“ zeichnet sich durch das schwurbelnde Falsett seines Sängers aus, nur die musikalischen Spielarten sind andere. Statt Folk und Americana gibt es hier Shoegaze, Twee und Indie-Pop. Alles klingt melancholisch angehaucht, wie eine Mischung aus Bon Iver, Arcade Fire und My Bloody Valentine, wie eine ruhige Zufluchtsstätte im Zentrum der chaotischen Welt von Manhatten.

Das Video zur Single „Two“ zeigt da schon in guten Bildern, was da gemeint ist. In einem Apartment spielen da drei Musiker, durch die Fenster scheint das blendende Licht der Außenwelt und drinnen erfüllt das Trio den Raum mit schillernden Klangfarben, die den Raum einlullen und kurz darauf hinaus strömen und die ganze Stadt einnehmen. Ähnlich entwickelt sich das Album. Zunächst geht es ruhig zur Sache, in einem passenderweise „Prologue“ genannten zweieinhalb minütigen Song werden geisterhafte Klangschichten atmosphärisch übereinander geschichtet, die dann in das sphärisch schwurbelnde „Kettering“ übergehen. Ein Song, der vor allem von Piano und Silberman’s Falsett leben, sich langsam aufbaut und dann mit Drums und Gitarre zu einem Shoegazer erster Güte wird. Ein wenig gemahnt der Song auch an „Black Mirror“ von Arcade Fire. In „Sylvia“ steigert sich die Band dann erstmals in noch lautere Gefilde, Silberman schreit sich die Seele aus dem Leib, zusammen mit der zwischen laut und leise wechselnden Instrumentierung sorgt das spätestens, wenn die Trompeten einsetzen für den ersten Gänsehautmoment. Das Fenster ist geöffnet und die Musik erfüllt die Stadt. In „Atrophy“ schließt es sich dann aber auch schon wieder einen Spalt, ein paar Beats, ein Piano und ein langsamer Marschrhythmus gestalten die beinahe acht Minuten unfassbar dicht und entführen in eine Traumwelt. Fast fröhlich ist dagegen der Song „Bear“, der mit treibendem Arcade Fire Rhythmus aufwartet und erstmals auch fast zum tanzen geeignet wäre. Die Single „Two“ könnte dann so auch tatsächlich von Arcade Fire stammen, Struktur, Rhythmen, Instrumentierung und sogar der Gesang klingen wie eine Song-Skizze von Win Butler und Co. Ein anderer Höhepunkt ist „Wake“, einer dieser wunderschönen, spärlich instrumentierten, sphärischen Tracks mit choralem Gesang und schwurbelnder Melodie. Nach knapp 53 Minuten bleibt der Hörer dankbar dafür zurück, dass sich Silberman zwei Mitstreiter gesucht hat und sich aus der Zuflucht seines Apartments wagte, um „Hospice“ der Außenwelt zu präsentieren.

Rating: ★★★★½
The Antlers

Video zu „Two“

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