Rezensionen

The Alexandria Quartet – The Alexandria Quartet (s/t)

Eigentlich sind The Alexandria Quartet mit ihrer Musik circa. 10 Jahre zu spät dran um wirklich cool, oder innovativ zu sein. Denn genau genommen war die „große Zeit“ des melancholischen, häufig Pianobeladenen Brit-Pop kurz vor der Jahrtausendwende, als Coldplay gerade die Charts eroberten, Travis sich darüber wunderten, warum der Regen immer auf sie niederprasselt und Embrace sogar als die „Retter des Brit-Pop“ angekündigt wurden. Heute sieht es so aus, dass die Retter ihr aktuellstes Album vor drei Jahren veröffentlichten, Travis ihren Elan von vor knapp 10 Jahren wieder entdeckten und Coldplay Stadien füllen. Das Genre ist also im Mainstream angekommen, wodurch manche Bands schon egal geworden sind.

Manche machen aber einfach immer noch Spaß, bestes Beispiel neben Air Traffic, die ihr zweites, Thirteen Senses, die derzeit ihr drittes und Athlete, die nun ihr viertes Album aufnehmen, sind wohl die erwähnten Schotten von Travis, die im letzten Jahr mit ihrem Album „Ode To J. Smith“ zu alter Stärke zurück fanden. Eben die bewiesen in der Vergangenheit auch ein gutes Händchen für Support-Bands. Nach Athlete vor einigen Jahren, die eine echte Entdeckung und seitdem eine enorme Bereicherung unseres CD-Regals darstellen, durften wir in diesem Jahr beim Konzert in Köln die inzwischen in London ansässigen Norweger von The Alexandria Quartet entdecken. Dort präsentierten sie unterhaltsame Brit-Pop-Songs, die häufig von tollen Piano-, meistens jedoch von starken Gitarren-Melodien leben. Stilistisch hätten sie also auch nicht besser zu Travis passen können. Mit ihrem selbst betitelten Debüt, das sie im Juni 2008 veröffentlichten, haben sie in ihrer norwegischen Heimat auch bereits einige Erfolge einfahren dürfen, nun ist also der Rest Europas dran. Der darf sich dann auch an Hymnen aus treibendem Brit-Rock in der Nähe von Oasis und Piano-Pop Marke Embrace erfreuen. Das ist wie erwähnt nicht innovativ, die Norweger machen das aber so gut, dass es dennoch Spaß macht. Wenn das Alexandria Quartet etwa im Opener „The Dark Side Of The Blues“ beherzt losrockt und Sänger Martin Skålnes mit rauer Stimme den gefälligen Refrain croont. „Into The Light“ ist dann ein typisches Stück Brit-Pop wie gemacht für’s Stadion und zeigt ganz deutlich die Stärke der Band bei Mid- bis Up-Tempo-Songs. Die ruhigeren, piano-lastigen Stücke geraten dagegen meist beinahe eintönig und gereichen allerhöchstens zu Genre-Durchschnitt, vielleicht auch, weil Martin Skålnes  mit seiner Stimme einfach nicht so schön schmachten kann, wie es ein Fran Healy, oder ein Danny McNamara (Embrace) können. Er neigt da eher zum leiern, was nicht bedeutet, dass er nicht auch schöne Songs zu Gehör bringt, „Montauk“ ist ein gutes Beispiel für eine sanft und gefühlvoll vorgetragene Ballade, die sich gegen Ende zu einem stimmungsvollen Höhepunkt steigert. Das Album selbst hat seine Höhepunkte woanders, hinterlässt aber einen besonders durch die erste Hälfte bedingten guten Gesamteindruck, der einmal mehr die Zeitlosigkeit des von der Band erwählten Stils beweist.

Rating: ★★★½☆
The Alexandria Quartet

Video zu „The Dark Side Of The Blues“

ein komplettes Konzert bei Youtube // Myspace // Label

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