Rezensionen

The Airborne Toxic Event – The Airborne Toxic Event (s/t)

The Airborne Toxic Event scheinen bei ihrer Namenswahl möglichst viel Wert auf eine ausgeprägte Symbolik gelegt zu haben. Eine Symbolik, die wirkt, denn sich die Schallwellen ihrer Songs durch die Luft bewegen und das Ohr des Hörers mit nicht wenigen Ohrwurmartigen Melodien infizieren. Aber von vorne. The Airborne Toxic Event (kurz TATE) wurden 2006 von Mikel Jollet ins Leben gerufen. Quasi als Eigentheraphie, denn innerhalb kürzester Zeit hatte er drei Schicksalsschläge zu verwinden, bei ihm wurde eine seltene Autoimmunerkrankung diagnostiziert, seine Mutter erkrankte an Krebs und zu allem Überfluss verließ ihn seine Freundin. Auf die konnte er vermutlich am Meisten verzichten, denn wenn sie ihm in schweren Zeiten nicht beistehen möchte, war sie auch wohl nicht die richtige. Jedenfalls scharrte er vier Freunde um sich und begann mit dem Schreiben von Songs.

Die sind glücklicherweise nicht so düster geraten, wie man meinen möchte. Die erste Band-Single „Does This Mean Your Moving On?“, die TATE 2007 heraus brachten und die nun auch auf dem selbstbetitelten Debüt zu finden ist, stellt da ein gutes Beispiel dar. Die kommt mit beinahe punkiger „So What?“-Attitüde daher, präsentiert sich mit zackigem Rhythmus, leicht abgehacktem Gesang und absolut tanzbarer Melodie. Mit Party aus der Krise? So in etwa scheint die Devise von TATE. Allen Stücken wohnt zwar eine gewisse Düsternis inne, die aber durch so viel Hoffnung und Zuversicht überstrahlt wird, dass sie nur einen Unterton darstellt. Bestes Beispiel der Opener „Wishing Well“, der auch im Abschied die positiven Seiten beleuchtet, mit Lyrics, die beinahe mehr an eine Kurzgeschichte, als an einen Song erinnern. Das Stück selbst lebt von seiner dichten Atmosphäre, einem mitreißenden Spannungsbogen und einer selten gesehenen Dringlichkeit. Bis auf eine eingesetzte Geige hat der Song zwar nichts mit Arcade Fire gemein, aber die inbrünstige Dringlichkeit, mit der Jollet gesanglich und seine Band spielerich durch das Stück führen erinnern ein wenig an die Kanadier. „Papillon“ zeigt sich da schon von einer völlig anderen Seite, als Bastard zwischen Indie-Rock und Rock’n’Roll. „Gasoline“ ist ein Indie-Rock-Perlchen, mit dem TATE den Jungs von Razorlight Konkurrenz machen könnten, die sehen dagegen nämlich ziemlich blass aus. Es gibt aber auch echte Radio-Hits, wie das emotionale und dramatische „Sometime Around Midnight“, das eine Art Indie-Rock-Monster-Ballade darstellt – wenn es so etwas überhaupt gibt. Mit vollen Geigen steigt der Track ein, macht dann Raum für eine sanft angeschlagene Gitarre und den mitreißenden Gesang von Jollet. Der Song ist schon beinahe überladen von Klischees, funktioniert aber dennoch perfekt, geht direkt ins Ohr und kriegt die Kurve kurz bevor er in den Kitsch abdriftet. Kein Wunder, dass gegen diesen Überhit manche der anderen Stücke des Albums ein wenig verblassen und mehr als Füllmaterial da stehen. Aber ein Album voll von solchen Stücken hätte wiederum Einbußen in der musikalischen Bandbreite mit sich gebracht. So zeigen sich TATE auf ihrem Debüt mit größtenteils starken Songs. Die Nennung in einem Atemzug mit Modest Mouse, The Clash und U2 müssen sie sich allerdings noch verdienen, aber die waren ja auch nicht alle auf Anhieb Rockstars.

Rating: ★★★½☆
The Airborne Toxic Event
Video zu „Sometime Around Midnight“

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