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Tall Ships – Everything Touching

Tall Ships - Everything Touching

Im tiefsten Westen Englands liegt die Grafschaft Cornwall mit dem bekannten Örtchen Penzance. Die Landzunge, die hier ins Meer ragt ist in England unter dem Namen Land’s End bekannt. Eine fast schon poetische Umschreibung für diesen westlichsten Zipfel. Eine gewisse Romantik ist hier aber auch gegeben, profitiert der Landstrich doch vom Golfstrom und kann dadurch ein für britische Verhältnisse überaus warmes Klima mit beinahe subtropischer Vegetation aufweisen. Aus dieser Ecke kommt auch das Trio von Tall Ships. Allerdings hatten sie dort das Problem, dass es vor lauter Idylle keine Musikszene gab. Also zog es die Band ins mehr als 400 Kilometer entfernte Brighton. Nach London wollten sie wohl scheinbar nicht, vermutlich hätte ihnen das Meer zu sehr gefehlt. Von dort veröffentlichten sie einige EP’s, die Kennerkreise aufhorchen ließen und große Vorfreude auf das Debüt des Trios aufkommen ließen. Ganz wie es sich für eine Band mit dem Namen gehört kämpfen sich die Jungs durch wellenförmige Soundlandschaften, die mal aufbrausend sind und auch mal langsam vor sich hinwiegen. Mittendrin melodiöser, manchmal mehrstimmiger Gesang, der einem Leuchtturm ähnlich Orientierung gibt. Mit „T=0“ präsentieren Tall Ships gleich zu Beginn einen der stärksten Opener des Jahres.

Ein Song, den man wohl am ehesten als ausufern bezeichnen kann. Ein lässiges Gitarrenriff wird mit vielschichtigen Klängen und Melodien der restlichen Band angereichert und zu einem wuchtigen Klangsturm angereichert. Der ruhige Gesang durchbricht stellenweise die Instrumentierung, wird aber nach einiger Zeit auch eher als Begleitchor eingesetzt. Das anschließende Instrumentalstück „Best Ever“ ändert dann etwas den Fokus. Statt leicht verträumten Klängen in bester Sigur Ros Manier gibt es hier beinahe wildes Elektrogefrickel begleitet von breiten Gitarrenwänden irgendwo in der Nähe von Royal Bangs. Mit „Phosphorescence“ und „Ode To Ancestors“ offenbart das Trio dann seine Liebe zu den Kanadiern von Wintersleep. Man hat deutlich den Sound von „Welcome To The Night Sky“ im Kopf. Geschickt verknüpfen Tall Ships das dann noch mit Chaos von Battles und erschaffen auf diese Art einen ganz eigenen Klangkosmos. Der hat allerdings eine entscheidende Schwachstelle. Zwar verbinden Tall Ships gekonnt Elemente der verschiedensten Rockspielarten wie Prog, Math, Synth-Pop und Shoegaze, mit ihrer Melodieverliebtheit biedert sich das Trio dann allerdings doch manchmal etwas zu sehr an und nimmt lieber den sicheren Weg, statt einen kreativen Weg einmal voll auszuschöpfen.

Hinzu kommt noch der Gesang von Ric Phethean. Der ist weder ein Morrissey, obwohl er auch schonmal versucht zu croonen, noch ist er ein Paul Murphy oder ein Jim James, auch wenn er sich gesangstechnisch mal in deren Gefilden versucht. Seine Stimmlage ist einfach nichts halbes und nichts Ganzes und schafft es nie, den Stücken etwas wirklich markantes zu verleihen. So sind dann auch die Songs am stärksten, wo er von seinen Bandkollegen unterstützt mehr in einen Chor übergeht oder auch weit hinter der Instrumentierung nur im Hintergrund stattfindet.


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