Rezensionen

Sufjan Stevens – Carrie & Lowell

Sufjan Stevens - Carrie & Lowell

Zehn Jahre sind mittlerweile vergangen, seit der US-Amerikaner Sufjan Stevens mit seinem dritten Album „Illinois“ seinen endgültigen Durchbruch schaffte. Ein Album mit kaleidoskopischen, sich sphärisch auftürmenden, experimentellen Folk-Songs und auch vielen ruhigen, besinnlichen Singer-Songwriter-Stücken, mit denen Stevens den Nerv der Zeit traf.

Gerade die experimentelle Seite begeisterte ihn in der Folge und so veröffentlichte er beispielsweise ein Instrumental-Album, das er dem Brooklyn-Queens-Expressway widmete, sowie das leicht abgedrehte „The Age Of Adz“, das viele Klangexperimente und Einflüsse aus Folk und Pop verband.

Ein Jahrzehnt nach seinem größten Erfolg schien Sufjan Stevens die Zeit nun für gekommen zu halten, zu seinen Wurzeln zurückzukehren und so veröffentlichte er mit „Carrie & Lowell“ ein Album, das an seine Anfänge erinnert. Nicht nur musikalisch, sondern auch familiär, das Album widmete er nämlich seiner Familie, da viele Stücke vom Tod seiner Mutter Carrie im Jahr 2012 inspiriert sind.

Direkt im Opener „Death with Dignity“ wird dieses Thema aufgegriffen und mit der typischen, recht spirituellen Art von Stevens aufbereitet. Überhaupt scheint „Carrie & Lowell“ das bisher spirituellste Werk von Sufjan Stevens. So setzt er nun noch häufiger als in der Vergangenheit Bilder aus dem Christentum ein, um seine kleinen Geschichten zu erzählen. Das er gläubiger und auch praktizierender Christ ist, dürfte kein Geheimnis mehr sein, doch spricht Stevens nun in Interviews ganz offen über das Thema. Gegenüber Pitchfork.com sagt er beispielsweise: „my love of God and my relationship with God is fundamental, but its manifestations in my life and the practices of it are constantly changing. I find incredible freedom in my faith.“

So manifestiert sich sein Glaube nun in Stücken, wie „No Shade in the Shadow of the Cross“ und „Drawn to Blood“. Doch trotz christlichem Anstrich versucht Sufjan Stevens mit seinen Songs nicht zu missionieren. Sein Glaube ist neben der Musik vielmehr ein Weg, den Tod seiner Mutter zu verarbeiten. Das tut er in berührend instrumentierten Stücken, die meist nur von Banjo und Gitarre, sowie seiner leicht gehauchten Stimme, geprägt sind. Er erzeugt eine besinnliche Stimmung, die einen tief in seine Gefühlswelt eintauchen lässt und die „Carrie & Lowell“ nicht nur zu einem der stärksten Sufjan Stevens Alben, sondern auch zu einem der Alben des Jahres macht.

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