Rezensionen

Stornoway – Beachcomber's Windowsill

Ja schon klar, alles an Stornoway schreit danach sie schnell als nächsten Hype von der Insel abzutun. Die Band ist jung, ist ganz ansehnlich und spielt Folk. Das tut inzwischen jede zweite Band von der Insel und mit Noah & The Whale und Mumford & Sons gibt es bereits ein paar Hypebands aus diesem Genre. Bei der einen ist der Hype durchaus gerechtfertigt, bei Mumford & Sons warten wir nach wie vor auf eine Begründung, warum ein dermaßen platter Sound solche Euphorie hervor rufen kann. Aber die Band um Marcus Mumford einmal beiseite. Hier geht es um eine Band aus Oxford, die sich nach einer schottischen Insel benannt hat. Das schafft Sympathien und der Hype um diese junge Folk-Truppe, die als britische Fleet Foxes gehandelt wird, auch gewisse Erwartungen. Die wurden durch ihre großartigen, leichtfüßigen Singles „I Saw You Blink“ und „Zorbing“ nur noch weiter gesteigert und führten unweigerlich zur Frage, können sie diese erfüllen?

Klar, sie können. Wobei beim hören von „Beachcomber’s Windowsill“ schnell die Frage aufkommt, warum sie ausgerechnet den Ruf als britische Fleet Foxes genießen. Klar gibt es hier Harmoniegesänge und altmodischen anmutenden Folk. Aber den haben Fleet Foxes nun auch nicht gepachtet und ein sanft schaukelnder Indie-Popper mit gut gelaunter Melodie und Trompeten, wie „Zorbing“ klingt etwa so sehr nach Fleet Foxes, wie The Shins. Mit diesem Stück haben Stornoway auch gleich ein richtiges Highlight an den Beginn ihres Debüts gesetzt. Die Trompeten lassen die Sonne im Herzen aufgehen und man freut sich auf die nun startende Reise. „I Saw You Blink“ greift die gute Laune auf und groovt sich mit launigem Bass weiter ein. Wer schon immer den Beweis wollte, dass auch Engländer es schaffen, die Sonne in ihren Melodien einzufangen, der bekommt ihn mit diesen beiden Songs. Aber Stornoway wissen auch von der dunkleren Seite zu berichten und bieten mit „The Coldharbour’s Road“ ein wundervolles Stück über eine unmögliche Liebe mit tränenreicher Piano-Melodie und dichter Atmosphäre. Sich aufschwingende Geigen runden den Gesamteindruck ab. Hier endet der Facettenreichtum der Band allerdings noch nicht. In „We Are The Battery Human“ zeigen sie sich mit Chorgesang und Banjo noch einmal von einer ganz anderen Seite. Und allen, die meinen, mit Banjo ginge nur stampfender Bluegrass den Mittelfinger. „So join the new revolution“ skandieren sie hier. Da stimmen wir nur zu gern ein und scheißen drauf, dass einige wieder laut „Hype!“ schreien werden, Stornoway haben es mit diesem mitreißenden und abwechslunsgreichen Debüt schließlich auch verdient gefeiert zu werden!

Rating: ★★★★½

Stornoway

Bei 3voor12 gibt’s das ganze Album im Stream

Myspace // Label

The Beachcomber’s Windowsill – bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive