Rezensionen

Stars For The Banned – Stars For The Banned (s/t)

Bevor ich loslege, möchte ich darauf hinweisen, dass der folgende Text auf sehr persönlichen Meinungen und Empfindungen beruht.

Das Album des Wieners Robert Guenther lag einige Zeit brach, bevor ich ich Zeit und Geduld hatte, es mir anzuhören. Als ich es dann tat, bereute ich diese Wartezeit zu tiefst. Denn was mich da auf positivste Art und Weise erschlug, war eine wundervoll druckvolle Melancholie, die sowohl von der Musik als auch von der Stimme Robert Guenther’s ausging. Und fast schon kryptische Texte, mit denen man sich befassen muss, um ihre Bedeutung zu verstehen. Mit einfachem Nebenbeihören ist es da nicht getan. Und selbst dann bin ich der Überzeugung, dass die Texte jedem Hörer eine andere, ihm sehr persönliche Bedeutung, offenbaren. Ihre wahre Bedeutung wird wohl allein Robert Guenther kennen.
Der erste Durchgang des Albums wurde ohne Umschweife direkt 3 weitere Male wiederholt. Dasselbe am nächsten Tag und übernächsten Tag. Das ging insgesamt etwa 2 Wochen so. Nicht immer mehrfaches Hören an einem Tag, aber 1x pro Tag mindestens und ich wurde dem Album nicht müde. Was ungewöhnlich ist, denn ohne, dass ich es bewusst tun würde, langweilt mich doch jedes Album, das ich von Anfang an vorbehaltslos Liebe, nach recht schneller Zeit – was ich selber immer sehr sehr schade finde, aber Langeweile bleibt Langeweile.

Mit der Zeit fielen mir Kleinigkeiten in den Arrangements auf, Parallelen zu anderen Stücken anderer Musiker. Diese Kleinigkeiten wurden immer deutlicher und ich hörte (abgesehen von einer gewissen Ähnlichkeit zu Thom York’s Stimme) Radiohead-typische Keychanges und Verläufe, eine Melodie, die ich dieses Jahr bereits auf dem Cargo City Album „Dance/Sleep“ gehört hatte, etwas, das mein Gehirn dem ersten Polarkreis 18 Album zuordnete, den Piano-Part in der Bridge vom UNKLE (feat. Thom York) Klassiker „Rabbit In Your Headlights“..

Das alles emfpand ich als interessant. Als positiv interessant. Es macht Spaß Gewohntes und Gemochtes in vermeintlich Neuem zu entdecken.

Die Langweile stellte sich auch nach diesen entdeckten Klängen nicht ein. Aber etwas anderes passierte, was ich erst jetzt im Nachhinein erkenne und zu dem Zeitpunkt nicht einmal benennen konnte.
Die von mir von Beginn an als so positiv empfundene wundervoll druckvolle Melancholie nervte mich. Ich wurde unruhig nach 1 bis 3 Liedern, eine Art Traurigkeit stellte sich nebst der Unruhe ein, was zu generellem Genervtsein führte.
Ich verstand es nicht, konnte und mochte aber nicht länger dem Album lauschen.

Eine gute halbe Woche später stieß mich Chiara WhiteTapes auf eine Stelle, die ich zuvor sehr gemocht hatte, aber mir nichts an ihr aufgefallen war. Es fand eine Art 3er-Live-Email-Querschalte zwischen mir, Matthias und Chiara statt. Wir alle hörten die bereits von mir angesprochenen Punkte. Als nächstes wurde beleuchtet, was Chiara angemerkt hatte.
Es gibt ein Lied auf dem Album, welches ein sehr ruhiges Intro und mal kein Schlagzeug hat. Der Druck wird nicht von Anfang an aufgebaut. Es wird etwas gezupft, etwas gestrichen oder geblasen (ich denke da an eine Melodica), es geht um Tonlängen, um den zeitlichen Einsatz jedes Instruments, das weglassen sämtlicher Bass- und Rhythmuselemente (und sei ein Schlagzeug), um den gewählten Einstieg in das Intro des Songs..

Es gibt ein Lied eines hier schon das ein oder andere mal erwähnten schottischen Singer Songwriters, das bereits im letzten Jahr als Single veröffentlicht wurde und genauso anfängt. Es war mir nicht aufgefallen und so hörte ich abwechselnd, isolierte mit ein wenig Hilfe einzelne Tonspuren und Instrumente beider Stücke und legte sie aufeinander. Es gab Unterschiede in gespielter Schnelligkeit z.B. der gezupften Gitarre, ein anderes Element war im Hintergrund anstatt im Vordergrund, wenn man die Stücke im Gesamten verglich. Übereinandergelegt war dies jedoch der einzige, in den isolierten Kurven ersichtliche Unterschied.

An dieser Stelle setzte bei mir die reine Irritation ein. Ich war noch nie wirklich verwirrt von einer Platte, die ich doch so mochte. Die Euphorie ebbt manchmal ab, klar. Aber Verwirrung hatte ich noch nicht erlebt.
Der Musiker, um den es beim letzten Punkt geht, möchte keine große Sache daraus machen und fühlt sich eher geehrt, sollte es irgendwie absichtlich geschehen sein – oder unabsichtlich, aber im Unterbewusstsein wabernd.
Das ist sein Bier. Im wahrsten Sinne (wer mit diesem Hinweis den Künstler erkennt und uns emailed, bekommt ein Bon Bon ;)).

Wie gesagt, ist das sein Bier und die Getränke Anderer interessieren mich nicht ;) Was mich aber interessiert, ist, was dies für meine ganz eigene Wertung des Albums bedeutet.
Ich weiß nicht, ob die Welt so gestrickt ist, dass es wirklich möglich ist, dass beide Musiker komplett unabhängig von einander gleichzeitig diese schöne und leichte Intromelodie komponiert haben. Zwillinge und Doppelgänger existieren ja aber schließlich auch. Und selbst, wenn es so etwas 1x in 100 Jahren gibt, wer sagt, dass nicht genau dies hier geschehen ist?
Und auf der anderen Seite ist samplen nichts schlimmes und es wird in der Pop Musik überall getan.

Ich weiß nur eines: egal wo ich etwas gesampled höre, sträubt sich mein Körper, dies als „gut“ zu empfinden. Das geht mir auch mit Coverversionen so. Es gibt wirklich gelungene und schönen Nummern, doch etwas in mir drin fragt sich immer, warum kein eigener Song geschrieben wurde, wenn sich schon die Mühe gemacht wurde…
Dieses Sträuben meines Körpers hat im Fall von Stars For The Banned wegen der Anhäufung der vielen, sagen wir mal, Samples nun dazu geführt, dass ich mir das Album nicht mehr anhören kann ohne mich innerlich zu schütteln und extrem unwohl zu fühlen. Ich habe einen richtigen Kloß im Hals.

Die Frage ist wohl, ob die Samples das Album weniger gut machen, sich im Nachhinein auf die Leistung oder die Eigenleistung des Musikers auswirken – aus Sicht des Hörers.

Ich weiß es nicht.

Auf der einen Seite habe ich ein Album, dass ich nach wie vor mehr als gelungen finde. Auf der anderen Seite stehen die Klänge, die ich bei anderen Künstlern so geliebt habe und auch hier offensichtlich in anderem Ambiente mochte – mir das Album aber gerade deswegen sehr schwer im Magen liegt.

Musik ist für mich immer noch Kunst. Nichts, was vom Fließband kommt (kommen sollte). Das Album hinterlässt bei mir mittlerweile den Eindruck wie eines dieser Bilder, bei denen ein Foto in die eine Ecke des Blattes geklebt wurde und dann weitergezeichnet wurde, sich die Umgebung erdacht wurde, neu erfunden wurde.
Meine letzte Kunstlehrerin sagte mal, sowas hätte nichts mit Kunst zu tun. Egal wie talentiert um das Foto herum gezeichnet worden wäre, erweitert worden wäre.

Ich glaube, ich habe im Urteil meiner Kunstlehrerin auch meine Antwort gefunden, wenn ich das Album schon mit einem solchen Bild in Verbindung bringe.

Bleiben eigentlich 3 Fazits:
1. es ist ein wirklich gutes Album
2. meine persönliche Auffassung macht es mir nach dem Beschriebenen unmöglich das Album weiterhin zu hören
3. wer die Parallelen nicht hört, sie nicht hören möchte oder sie ihn nicht stören, der hat ein wirkich gutes Album vor sich (um Punkt 1 zu wiederholen)

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