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St. Vincent – St. Vincent

St. Vincent - St. Vincent

Wenn uns Annie Clark alias St. Vincent mit ihrem Debüt „Marry Me“ eines klar machte, dann, dass die Songwriterin vor allem eines ist, nämlich unberechenbar. So präsentierte sie auf dem Album ihre ganz eigene Interpretation von Pop mit waghalsigen Wendungen, süßlichen Melodien verbunden mit harten Gitarrenriffs und jeder Menge Spielereien. Eine Herangehensweise, die sie auf „Actor“ und nur zwei Jahre später auf „Strange Mercy“ noch verfeinerte. Mit wachsendem Erfolg wuchsen auch die Pop-Elemente in den Songs der Musikerin und auch die Experimentierfreude stieg. Bestes Beispiel dafür dürfte das Bläserlastige „Love This Giant“ sein, ein Album, das St. Vincent gemeinsam mit Talking Heads Frontmann David Byrne veröffentlichte und Annie Clark eine noch größere Bekanntheit bescherte.

Mittlerweile ist St. Vincent bei einem Major gelandet und hat sich zu einer Kunstfigur mit weißen Haar und wallenden Kleidern gewandelt. Von der schüchternen dunkelhaarigen Texanerin, die bei Interviews schüchtern in ihren Kaffeebecher starrte und die sich auf der Bühne hinter ihrer großen Gitarre versteckte ist nicht viel übrig.

Optisch hat sich St. Vincent in eine Mischung aus „Cruella de Vil und Lady Gaga“ verwandelt. War St. Vincent bisher Annie Clark, so ist sie nun scheinbar nur noch eine Kunstfigur. Auch musikalisch ist die Wandlung Richtung Popmusik weiter fortgeschritten. Ihr viertes Album „St. Vincent“, das wie „a party record you could play at a funeral“ klingen soll ist nun eher in Tradition zu Lady Gaga und Prince zu sehen. Erstere veröffentlichte im letzten Jahr ein Album namens „Art Pop“, das neue Werk von St. Vincent könnte man diesem Titel folgend als „Heavy Pop“ bezeichnen. Popsongs mit schweren Beats und nur noch manchmal den markanten St. Vincent Gitarren. Stücke, die gekünstelt und aufgesetzt klingen und die nur oberflächlich vertrackt und unzugänglich wirken. Letztlich wirken sie, als hätte sich Annie Clark den Konventionen des Pop hingegeben, um sich zu einer gefeierten Popdiva aufbauen zu lassen. Dazu gehören natürlich auch Balladen. Die bietet sie mit „I Prefer Your Love“. Ein ruhiges Stück mit einer gehörigen Prise Schmalz, den man problemlos auf ein Lady Gaga Album stecken könnte, ohne, dass jemandem ein Unterschied auffällt. Und letztere schmückt sich ja ebenfalls gern mit Anspruch, ist hinter ihrer schillernden Fassade aber auch nur ein Mädel, das mal im Museum war, ein paar alte Madonna Alben zu Hause hat und Vogue liest.

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