Rezensionen

Sonic Youth – The Eternal

Zusammengerechnet sind die Musiker von Sonic Youth in ihrer aktuellen Besetzung schon einiges über 200 Jahre alt. Aber erstens so alt sind sie nun auch wieder nicht und zweitens dürfte bekannt sein, dass Alter nicht vor Rock schützt. Dennoch fühlt sich „The Eternal“ nach beinahe 30 Jahren Bandgeschichte wie das mittlerweile 200ste Album der Band an. Es ist zwar erst Nummer 16, aber so lange überlebt nun einmal kaum eine Rockband. So könnte man dann auch schon beinahe denken, die Band sei ein Fall für’s Museum. Dazu passend hielten sie sich seit Beginn ihrer Ausstellung „Sonic Youth and more: Sensational Fix“ fast nur noch in einem auf und spielten einige Konzerte in Museen. Dort verstaubten sie aber glücklicherweise nicht, sondern holen sich genau dort siet Jahren schon immer wieder Inspiration für neue Songs.

So sind auf „The Eternal“ auch wieder eine Reihe von Anspielungen auf aktuelle und zeitlose Kunst, auf Kulturgeschichte und wie sich das für Sonic Youth gehört die übliche politische Meinungsäußerung. Zutaten, die es immer verhinderten, dass Sonic Youth aus ihren Szenekreisen in den Massenerfolg rutschten. Damit konnten sie sich aber immer ihre Unabhängigkeit bewahren, hatten bei ihren zahlreichen Labels immer Mitspracherecht (förderten so unter anderem bei Geffen das Talent einer jungen Band namens Nirvana) und ihre Fans mussten sie nie mit der Masse teilen. Das erschrendste an der Bandgeschichte ist eigentlich, dass sie es in ihrer langen Karriere einfach nicht fertig gebracht haben, mal ein richtig schlechtes Album aufzunehmen. Nie gab es einen wirklichen Ausschlag nach unten. Dieses ständige abliefern von Songs und Alben auf höchstem Niveau könnte fast langweilig sein, wäre der Output nicht auch immer voll von spannenden, zu entdeckenden Kleinigkeiten. Auch auf „The Eternal“ bewegen sich Sonic Youth dann wieder auf ihrer umfassenden Akkord-Schablone, toben sich in ihrer Gitarrenarbeit lässig wie immer aus und bauen die gewohnten Anspielungen ein. Die ergeben zwar nicht immer Sinn, wie im Fall der Kommune 1 Anspielung bei „Anti-Orgasm“, da heißt es nämlich „Anti-War is Anti-Orgasm“, aber das ist vermutlich auch gar nicht die Intention. Sonic Youth sind inzwischen das geworden, was sie immer sein wollten, nämlich ein Gesamtkunstwerk. Und Kunst muss nun einmal nicht immer Sinn machen, auch nicht immer schön sein und darf auch mal schräg klingen. Die Botschaft ist es, die zählt und da haben Sonic Youth den Trumpf in der Hand, denn die kann sich jeder ganz persönlich beim Hören ihrer Songs interpretieren. In seiner Unaufgeregtheit wird „The Eternal“ dadurch vielleicht nie zu einem Klassiker, wie etwa „Daydream Nation“, muss sich aber kein Stück hinter dem Gesamtwerk der Band verstecken.

Rating: ★★★★☆
Sonic Youth

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