Rezensionen

Soap&Skin – Lovetune For Vacuum

Es gibt Musik, die ist so schwermütig, dass man beim Hören beinahe an ihr zerbricht. Da singt ein gerade einmal 18-jähriges Mädchen „When I was a child / Foes pushed me hard / In my neck / In my chest / In my waist / In my butt.“ mit einer Stimme, als würde die Last der Welt auf ihren Schultern lagern, nur spärlich begleitet von einem E-Piano und dem Hörer blutet das Herz. Anja Plaschg ist verantwortlich für die zitierten Textzeilen. Zu finden im Song „Spiracle“ auf ihrem Debüt „Lovetune For Vacuum“, dass sie unter ihrem Projektnamen Soap&Skin seit 2005 in Eigenregie im heimischen Wohnzimmer in der Steiermark aufgenommen hat. Nicht wenig verwunderlich gilt sie als das neue Wunderkind / Fräuleinwunder aus Österreich und so verwundert es auch nicht, dass sich „Lovetune For Vacuum“ kurz nach dem Release auf Platz 5 der österreichischen und Platz 47 der deutschen Charts wieder fand.

Ein Debüt, das viel zu dunkel scheint, um von der 18-jährigen Tochter eines Großbauern und Schweinezüchters zu stammen. Viel zu fragil, verstörend und dennoch erschreckend schön, um auf Österreich schließen zu lassen. Auch wenn die Indizien nicht passen mögen, das Mädel ist 18, kommt aus der Steiermark und schreibt Songs, als würde Björk plötzlich mit Sigur Rós kooperieren, oder Cat Power Kammer-Pop mit Patrick Wolf einspielen. Dabei bedient sie sich düsterer Bilder, bei denen vermutlich sogar Edgar Allan Poe Ansgt und Bange würde. Das vermeintlich unpassende ist die Stärke der schwermütigen Songs von Soap&Skin. Ein sanftes, klassisches Klavier trifft auf verzerrte, wummernde, dröhnende oder schnarrende Geräusche aus dem Laptop. Über und in allem ist Plaschg’s Gesang, sie jault, jammert und leidet mit jeder Note, schreit laut „Please Help Me“ und scheint in jeder Zeile zu zerbrechen. In den Stücken steckt natürlich jede Menge Pathos, den Plaschg aber gekonnt umsetzt. Sie kokettiert mit der Melancholie, stimmt Trauermärsche an, als wolle sie in den Hades hinabsteigen, um ohne Aussicht auf ein Happy-End ihre düstere Seele zu retten. Wie die Stimmen der Sirenen brennt sich am Ende die Musik Plaschg’s tief in die Seele des Hörers, zieht ihn in einer quälenden Reise in den Abgrund und entlässt ihn dann doch wieder zurück in die Freiheit, in der er sich dann aber nur nach einem sehnt, die Reise auf ein Neues anzutreten.

Soap&Skin live bei den FM4 Soundpark Studio 2 Sessions

Myspace // Label

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