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Siva. – Same Sights, New Light

Berlin ist schon ein ganz besonderer Ort, wenn es um die deutsche Musikszene geht. In keiner anderen deutschen Stadt leben so viele Menschen, gibt es so viele tolle Clubs und gibt es eine so große Dichte toller Bands. Durch die regionale Entfernung zu Berlin kriegen wir von der Szene leider nicht so viel mit. Aus dieser Not haben wir für uns jedoch eine Tugend gemacht und so können wir immer wieder Bands für uns entdecken, die in der Berliner Szene schon lange für gut befunden wurden. Das Quartett Siva. (gesprochen „Schiva) ist eine dieser Bands. In Berlin haben die sich seit ihrer Gründung 2001 schon lange einen Namen erspielt, wir haben sie allerdings nun erst im Zusammenhang mit dem Jenseits von Millionen Festival entdeckt. Als Soloprojekt gestartet hat Gründer Andreas Bonkowski mit diesem Projekt inzwischen den Begriff Kollektiv auch in deutschen Bands umgesetzt und präsentiert auf dem inzwischen zweiten Album „Same Sights, New Light“ eine fast komplett neue Band. Die überzeugt dann auch mit einer gelungenen Mischung aus kuscheligem Akustik-Pop und Elektronik.

Jetzt allerdings nicht in die Irre führen lassen, das Wort kuschelig verniedlicht ehrlich gesagt die wahre Kraft des Band-Sound. Kraft, die Siva. unter anderem aus dem Gesang Bonkowski’s beziehen. Der lässt seine Stimme sanft schweben, zieht die Silben, baut dramatische Brüche ein und schwingt sich auch mal auf. Untermalt wird das von dichten Sound-Konstrukten aus akustischer Gitarre, Klavier, sanft geschlagenen Drums. Hinzu kommen jede Menge elektronische Elemente, die Siva. stellenweise mit sanften Beats in die Nähe von Phoenix rücken lassen, wie etwa bei „All The Right Moves“. Die größeren Referenzen sind allerdings die großen Vorbilder The Notwist und Radiohead. Siva. demonstrieren in knapp 45 Minuten Albumlaufzeit, wie groß Elektro-Pop sein kann, auch wenn er mit nur wenigen Mitteln entsteht. Schon im Opener „Misery Box“ weben die Berliner einen dichten Soundteppich, der den Hörer trotz aller elektronischen Einflüsse immer noch warm und einladend umgibt und sich zwar unaufgeregt aber unglaublich mitreißend gibt. Bei „Spies In The Trees“ wird das Tempo dann etwas angezogen, die melancholische Grundstimmung bleibt und wird mit cleverem Arrangement sogar noch verdichtet. Die Band schwingt sich zum ersten Mal zu so etwas wie einem dramatischen Höhepunkt aus E-Gitarre und pathetischem „Aaaahaa Haa Haaaaa“ empor. Das wirkt aber keineswegs aufgesetzt, sondern erzeugt vielmehr eine wohlige Gänsehaut. „Same Sights, New Light“ ist ein Album, das ab dem ersten Moment fesselt, das beweisen Siva. auch mit dem namensgebenden Track, der sich trotz einfacher Grundstruktur als kleines Pop-Perlchen zeigt. Insbesondere die kleinen elektronischen Elemente verlangen diesem und allen anderen Stücken eine unverkennbare Note, ohne zu weit in den Vordergrund zu rücken. Gerade auch die größeren Gesten, in denen die Band etwas lauter wird und Sänger Bonkowski sich voll zurück nimmt stehen Siva. gut zu Gesicht, wie etwa bei „A Place Worth Mentioning“, das durch eine tolle Bridge hängen bleibt. Mit der herzzerreißend schönen Piano-Ballade „Two And A Half“ endet das Album und lässt nur ein Urteil zu, Siva. haben ein verdammt großartiges Stück Elektro-Pop erschaffen, mit dem sie sich bald auch über die Grenzen der Hauptstadt hinweg einen Namen machen werden.

Rating: ★★★★½
Siva.

Das Album im Stream bei Last.fm

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