Rezensionen

Scott Matthew – Unlearned

Scott Matthew - Unlearned

Seit seinem zweiten Album „There’s An Ocean That Divides And With My Longing I Can Charge It With A Voltage Thats So Violent To Cross It Could Mean Death“ hat sich der Wahl New Yorker Scott Matthew für neue Releases anscheinend einen Zwei-Jahres-Rhythmus angewöhnt und so erscheint dieser Tage nun zwei Jahre nach „Gallantry’s Favorite Son“ das vierte Scott Matthew Album „Unlearned“.

Für das Album muss man jedoch etwas ausholen. Es dürfte nämlich als Resultat seiner Live-Shows entstanden sein. Die bieten nämlich neben gefühlvoll vorgetragenen Songs und einer intimen Atmosphäre vor allem auch fast immer ein oder zwei Coverversionen. Ein Konzept, das er mit der Personal Hit Parade Tour im Spätherbst 2012 noch weiter ausformulierte. In verschiedenen Locations spielte er seine Lieblingssongs, einige Coverversionen und erzählte währenddessen immer wieder, warum er diesen oder jenen Song ausgewählt hatte. Aus dieser Tour erwuchs nun auch die Idee ein Cover-Album aufzunehmen, auf dem er 18 Songs von Nirvana bis Whitney Houston covert.

Mit seiner Version des Bee Gees Klassikers „To Love Somebody“ eröffnet er das Album. Das Stück hat er, wie die meisten auf „Unlearned“ in seiner eigenen, reduzierten Art interpretiert. Häufig ist da nur seine Stimme, ein Klavier oder seine Ukulele. Manchmal noch Streicher, Drums oder Percussions. Das erzeugt eine ziemlich intime Atmosphäre, zeigt aber auch nicht unbedingt eine originelle Seite des Künstlers. Im Grunde spielt er „To Love Somebody“ einfach nur auf die Art nach, wie er Musik macht. Dabei kann man sich Stücke zu eigen machen, in diesem Fall merkt man, das es nicht seiner ist. Nicht so, wie bei Ray LaMontagne und Damien Rice, die seinerzeit mit ihrem Cover dieses Songs eines der stärksten Duette der letzten 15 Jahre veröffentlichten.

Whitney Houston’s „I Wanna Dance With Somebody“ wird Scott Matthew ebenfalls nicht wirklich gerecht. Eine Uptempo-Nummer, wie diese Pophymne wirkt in einer trantütigen Interpretation einfach nur seltsam und nicht ungewöhnlich. Widmen wir uns aber lieber den starken Seiten von „Unlearned“, die gibt es nämlich auch. Zum Beispiel beim Duett „Smile“, das gemeinsam mit Neil Hannon eingespielt wurde. Ein wunderbarer Dialog mit berührender Note. Auch Kris Kristofferson’s „Help Me Make It Through The Night“ tut die Interpretation als Duett mit Ian Matthews richtig gut. Und dem Radiohead Klassiker „No Surprises“ haucht Scott mit seiner reduzierten und zart gehauchten Variante ein ganz neues Leben ein, wodurch der Song wirkt, als könnte er genau so auch von einem der älteren Matthew Alben stammen. Wüssten wir es nicht besser, wir würden es glauben.

Gleiches gilt für „Love Will Tear Us Apart“. In der Instrumentierung hat er eine Gänsehauterzeugende Pianomelodie herausgekitzelt, die er mit seinem tieftraurigen Gesang anreichert. Eine der schönsten Coverversionen des Klassikers in der langen Covergeschichte des Songs. Gerade diese Songs stimmen am Ende auch versöhnlich mit den größtenteils etwas eindimensionalen Coverversionen auf „Unlearned“, das durch seine Songauswahl und die Interpretationsweise ein Album geworden ist, das man Songwriterfans und der Schwiegermutter gleichermaßen vorspielen könnte und beiden ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern würde.


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