Rezensionen

Scott Matthew – There Is An Ocean That Divides …

… And With My Longing I Can Charge It With A Voltage Thats So Violent To Cross It Could Mean Death“, ist nicht nur der längste Album-Titel, den wir bisher hier hatten, sondern enthält wahrscheinlich auch mehr Worte, als es auf einer gesamten Scooter-Platte zu hören gibt. Aber kommen wir lieber direkt zum Thema. Es ist noch gar nicht so lange hör, da las ich ein Interview, in dem der Künstler sein neues Werk als „a record to fall in and out of love“ beschrieben. Leider weiß ich nicht mehr, wer das war. Scott Matthew war’s nicht, aber dennoch könnten diese Worte von ihm stammen, denn es beschreibt in weniger Worten das Thema des Albums, als es der Titel vermag. Auf seinem zweiten Album wagt er die stet Gratwanderung zwischen Himmel hoch jauchzend und zu Tode betrübt, nachdem er auf seinem Album fast nur zu Tode betrübt war.

Dass der Wahl-New Yorker nicht die melodramatische, beinahe manisch depressive arme Wurst ist, die er in seinen Songs häufig gibt, zeigte Scott ja bereits im Interview mit uns. Dennoch wirkt es nicht aufgesetzt, wenn er im Opener „Every Travelled Road“ mit einer Stimme, die kaum mehr als ein Hauchen ist, singt „With Every Sweet Hello / There’s A Bitter Good Bye“. Dabei steigert er sich, begleitet von einem Klavier, einem Cello und einer Akustik-Gitarre in eine schwermütige Dramatik. So beweist er auch schnell, niemand suhlt sich so schön im Leid, wie Scott Matthew. Schon in diesen vier Minuten zeigt sich auch bereits wieder die herzzereißende Schönheit, die Matthew’s Musik innewohnt. Noch schöner dann das spärlich instrumentierte „For Dick“, das mit einem lamentierenden Matthew und dramatischem Streicherarrangement zu einem der besten Tracks des Albums erwächst. Dass der „quiet Noise-maker“ auch ein wenig albern sein kann, beweist er mit „Ornament“, bei dem er von einem Chor begleitet wird, der „La La, La La, La La La La“ singt und von hohen Trompeten, die den Frühling aus den Boxen schallen lassen, auch wenn es im Song in erste Linie ums Schlussmachen geht. Nach vier Minuten guter Laune und zynischem Text erschallt mit einem zart angeschlagenen Klavier und Gänsehauterzeugenden Streichern der Beginn für das stärkste Lied des Albums. „White Horse“ erzählt in beinahe fünf Minuten von unerfüllter Liebe und klingt dabei wie so häufig den Tränen nahe. Aber der Mann singt nun einmal so. Das erinnert nicht stimmlich, aber von der Wirkung her häufig an Antony Hegarty, oder ein wenig an Rufus Wainwright. Der Rest des Albums hält in der Folge noch viele solcher Highlights bereit. Welche der fröhlicheren Natur, wie etwa „Thistle“ mit gut gelauntem Bar-Piano, oder „Community“, ein Song in dem Matthew ganz wagemutig wird und singt „I have love / That the Good Lord above cannot fathom“. Die Momente, in denen Matthew jedoch sein Herz auf der Brust und den Herzschmerz auf der Zunge trägt bleiben jedoch die wunderschönsten, wie im Quasi-Titeltrack „Ther Is An Ocean That Divides“. Der ganze Abwechslungsreichtum des Albums wird im Song „German“ besonders deutlich, hier haucht Scott erst ganz allein, nur vom Klavier begleitet ein paar Zeilen, um am Ende des Songs von einem ganzen Chor hoffnungsvoll aus dem Song geleiten zu lassen. So gelingt Scott Matthew mit seinem zweiten Soloalbum also ein noch facettenreicheres und stärkeres Werk als mit seinem Solo-Debüt, nicht zuletzt wahrscheinlich auch wegen einer ganzen Reihe Gastmusiker, wie Ex-Morrissey-Bandmitglied Spencer Cobrin (mit dem Matthew auch schon in der Band Elva Snow spielte) und der amerikanische Songwriter Kevin Devine. Bei den Backing-Vocals ließ er sich unter anderem von Holly Miranda unterstützen, zu der sich Kanye West kürzlich auch als großer Fan outete.

Rating: ★★★★★
Scott Matthew

Track by Track Interview hier bei uns, das ganze Album im Stream bei 3voor12

Video zu „White Horse“

Homepage // Myspace // Label

There’s An Ocean That Divides… – bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive