Rezensionen

School Of Language – Sea From Shore

Field Music, das waren die beiden Brüder Peter und David Brewis und Andy Moore aus Sunderland. Anfang 2007 wurde das vorläufige Ende der Band bekannt gegeben. Und das obwohl sie bis zu diesem Zeitpunkt drei wunderbare Platten veröffentlicht hatten, die, ganz objektiv betrachtet, in keinem Plattenschrank eines Musikliebhabers fehlen sollten. Je mehr Aufmerksamkeit der Band, die beharrlich immer wieder von ihren Mitgliedern als „Projekt“ bezeichnet wurde, gezollt wurde, desto unstimmiger schienen sie sich zu werden. Das vorläufige Ende wurde dann damit begründet, dass das Projekt Field Music immer mehr in Genres gesteckt werden würde und dass dies nicht dem Projekt entspreche. Schade. Aber vielleicht gar keine so schlecht Idee sich mal eine Auszeit zu gönnen. In der Zwischenzeit wurden gegen Jahresende schon wieder zwei Konzerte im hohen Norden Englands gespielt.

School Of Language ist das Projekt, das David Brewis nach dem Bekanntgeben der Pause von Field Music aus seinem Märchenschlaf erweckt hat. Wieder ein Projekt also. Eines, das noch nie irgendeine Definition gesehen hatet, geschweige denn, ernsthaft außerhalb des Schlafzimmers existent war.
Am 5. Februar 2008 wird nun das Debut „Sea From Shore“ in Deutschland erscheinen. Wenn man sich die Tracklist anschaut, sticht einem etwas ins Auge. Und zwar, dass der erste Titel „Rockist“ gleich vier mal vertreten zu sein scheint – jeweil mit einem angehängten „Part 1“ bis eben „Part 4“. Ohne etwas vorwegnehmen zu wollen, kann man denke ich sagen, dass „Rockist Part 1“ eine Art Roh- sowie Kurzversion des dann dreiteiligen Songs ist. Man hat das Gefühl, das Demo hat einfach zu gut gefallen. Warum auch nicht. Nun darf man hier aber nicht an Eskapaden a lá Pink Floyd denken. Denn anders als vielleicht erwartet, sind die einzelnen Teile nicht lieblos aneinander geklatsch. Vielmehr schleichen sie sich behutsam wieder in das Gedächtnis des Hörers. Zwei am Anfang, zwei am Ende. Auch wenn es sich nicht so anhört, es funktioniert. Und wenn man die vier Teile zusammen sieht, ergibt sich ein recht hübsches Bild. Eine Rohversion. Ein instrumentaler Teil, in dem nach und nach sämtliche später verwendeten Instrumente in das Gesamtkonstrukt eingeführt werden. Ein dritter Teil, den man getrost als zweite Strophe oder Bridge bezeichnen kann und der Abschluss, das Hoch aller Gefühle, überrascht positiv am Ende der Platte. Wie sollte es anders sein, es ist die perfektionierte Rohversion des Anfangs. Im Allgemeinen kann man sagen, dass David Brewis mit seinem Solo-Debut einen Traumstart hingelegt hat. Zwar könnte man ebenso sagen, dass man eine ähnliche Platte als Nachfolger des letzten Field Music Albums „Tones Of Town“ erwartet hätte. Aber dies ist gerade das schöne. Wer Field Music mochte, wird von dieser Platte begeistert sein. Es gibt jedoch einen wesentlichen Unterschied zu Field Music. Mit School Of Language traut sich der jüngere der Brewis-Brüder so experimentell zu sein, wie es bei Field Music zum Schluß hin wahrscheinlich nicht mehr im Bereich des Möglichen schien. Ein wenig festgefahren. Vielleicht gerade der Grund warum „Sea From Shore“ eben doch kein viertes Field Music Album hätte sein können. Gleiche Stimme, gleicher Hintergrund (man erinnere sich daran, dass beide Bands ausschließlich als Projekte bezeichnet werden/wurden), den Melodien merkt man an, wer bei Field Music den größeren Einfluss auf die Music hatte… Jedoch sind die Gitarren rauer. Und selbst das Schlagzeug scheint einen „schrammeligeren“ Weg eingeschlagen zu haben. „…What can I do to convince you? …I wasn’t tryin to be your disappointment. I’m sorry if you waited in vain” – „Sea Rom Shore“ ist sicherlich alles andere als enttäuschend und überzeugend ist sie selbstredend. Das David Brewis hier und da seine Falsett-Stimme auspackt und stellenweise als Instrument benutzt, dürfte sicherlich nicht jedermanns Geschmack sein. Aber: was ist „jedemanns Geschmack“? Das Projekt School Of Language fällt sicherlich nicht darunter. Jedoch sollte diese Platte dem Genre Indie eine Art neue Bedeutung verleihen. So sollte „Indie“ hier nicht für Indepentent, sondern für „Individual“ stehen. Denn wenn die Musik, die Arrangements dieser Platte eines sind, dann individuell!

Video zu „Rockist“

httpv://www.youtube.com/watch?v=Hfi8ZMu1mXM

Myspace der Band
Myspace Field Music

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