Rezensionen

Scanners – Violence Is Golden

Es ist schon erstaunlich, wie lange es in Zeiten des Web 2.0, von Myspace und Vogelgezwitscher dauern kann, bis eine in England relativ gehypte Band den Release-Weg über den Kanal auf europäisches Festland schafft. Johnny Foreigner und Pete & The Pirates sind gute Beispiele dafür, die haben schon Tourneen durch Deutschland hinter sich und nehmen jeweils bereits ihr zweites Album auf, haben aber immer noch keine Möglichkeit für einen Release des Debüts auf dem europäischen Festland. Scanners aus London sind da immerhin schon einen Schritt weiter, ihr Debüt ist dafür auch noch einen Tick länger auf dem britischen Markt, genau genommen bereits seit 2006. Seinerzeit wurden sie vom NME zusammen mit Maxïmo Park, Franz Ferdinand und Bloc Party in die sogenannte Artrock-Schublade gesteckt.

Drei Bands mit ziemlich unterschiedlichem Sound mit einer Band zu vergleichen, bei der auch noch ausgerechnet eine Frau singt, das sieht der britischen Musik-Presse ähnlich, aber hat ja auch schon beim Brit-Pop Hype der 90er Jahre funktioniert, wo The Verve, Blur, Oasis und Elastica dem gleichen Genre zugeordnet wurden. Überträgt man das auf das Label „Artrock“, dann wären Scanners wohl die Elastica des Artrock. Die mischen dunklen 80er Jahre Wave-Sound mit Indie-Rock und lassen die Stücke tragen vom beeindruckend starken Organ von Sängerin Sarah Daly. Die Stimme ist auch das herausragenste Merkmal der Musik von Scanners. Mal schnoddrig, mal gefühlvoll, scheint sie ihre Gesangsparts zu leben, ist hübsch in den Vordergrund gemsicht und bildet einen schönen Kontrapunkt zu den Jungs des sogenannten „Artrock“. Dabei kann man sie in eine Reihe mit Emily Haines von Metric und Karen O von den Yeah Yeah Yeah’s stellen. Auch die Kompositionen des Quartetts zeigen sich, obwohl es sich „nur“ um ihr Debüt handelt, bereits als extrem ausgereift. Ob es poppig zugeht, wie bei der potentiellen Indie-Hymne „Lowlife“, rockig, wie bei „Raw“, oder balladesk, wie bei „Look What You Started“, die Band scheint ihre große Bandbreite mal eben so aus dem Ärmel zu schütteln. Mit „Joy“ und „Air 164“ sind zwar auch zwei Totalausfälle mit auf dem Album, das macht die Band aber wieder wett durch tolle Remixe, die der deutschen Version beigefügt sind.

Das Album im Stream:


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Scanners

Myspace // Label // Tour-Daten

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