Rezensionen

Sans Parade – Artefacts

Sans Parade - Artefacts

Circa drei Jahre nach ihrem selbstbetitelten Debüt sind Sans Parade zurück. Statt mit melancholischen Suizid-Dramen, Stücken mit Endzeitstimmung und dramatischen Kriegsvisionen, hat sich das Trio nun eine andere Inspirationsquelle gesucht. Die Idee zu „Artefacts“ entstand, als die Band das Video zu „In A Coastal Town“ drehte, wo sie einen Brief einer jungen Frau fanden, in dem sie ihre tiefsten Gefühle über eine verlorene Liebe äußerte.

Sans Parade begannen in der Folge weitere derartige Wortfetzen, Zitate, Weisheiten und vieles mehr zu finden. Eben, als seien sie auf der Suche nach Artefakten, aus denen sie Inspiration beziehen können. Aus den Briefen, Redensarten, Gebeten, Programmiersprachen und Gedichten wurden sieben Songs, die natürlich gewohnt ausufern geraten sind, weshalb Sans Parade mit „Artefacts“ trotz ’nur‘ sieben Stücken auf 41 Minuten Spielzeit kommen.

Das ausuferndste Stück hat die Band mit „Fenland Tenebrae“ dann auch direkt an den Anfang gestellt. Ein mehr als acht Minuten langer, experimenteller Song, der zunächst mit Klangfragmenten, Störgeräuschen und Synthiesounds beginnt und in der Folge mit warmen Klangflächen und distanziertem Gesang zu einem dramatischen Stück elektronischer Popmusik wird.

Auch „Hyperkorea“ zeigt sich sehr elektronisch und wächst mit einem stetigen Wechsel zwischen epischen Klangteppichen und ruhigeren Momenten mit warmem Gesang zu einem überraschend zwingenden Song, bei dem die häufig wiederholte Textzeile „We Are Aurora Borealis“ trotz ihrer Banalität zu einem mitreißenden Mantra wird.

Die ersten beiden Stücke verraten auch schon, dass nicht nur der Inspirationsprozess für „Artefacts“ ein wenig experimenteller war, die Stücke selbst präsentieren sich ähnlich. Sans Parade bedienen sich immer wieder aus einem großen Baukasten elektronischer Experimente und bauen diese teils als dichtes Gewebe, teils als Beats in ihre Stücke ein und wechseln gern zwischen Klängen, die sich in der Weite des Raums entfallen, hin zu intimen Stimmungen und teils auch epischen Momenten, wie am Ende von „Farmer’s Tale for a Prepared Piano“. Das ist nicht immer leichte Kost und für den ein andere anderen auch ein wenig zu verkopft. Dennoch ist Artefacts ein starkes zweites Album, mit dem Sans Parade sicher wieder ähnlich viel Lob einfahren dürften, wie mit ihrem Debüt.


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