Rezensionen

Sam Amidon – Bright Sunny South

Sam Amidon - Bright Sunny South

Schaut man so nach draußen und sieht das Grau des Himmels wirkt der Titel, den der Wahl-Londoner Sam Amidon aus dem amerikanischen Vermont, der seine Heimat für seine Ehefrau Beth Orton verließ, für sein aktuelles Album wählte beinahe wie ein Wunsch. „Bright Sunny South“, also warmer sonniger Süden, das klingt nach dem, wie man sich einen Mai vorstellt. Aber vielleicht bringt Sam Amidon mit seinem neuen Album ja etwas Wärme. Und so verkehrt ist die Annahme auch gar nicht. Schon der Opener und Titeltrack „Bright Sunny South“ erzeugt mit spärlichem Instrumenteneinsatz und der sanften, warmen Stimme von Sam eine wunderbar flauschige Atmosphäre, die an einen lauen Sommerabend erinnert. Ein wenig erinnert er hier an den großartigen Nick Drake, eine Referenz, die im Laufe des Albums häufiger geweckt wird. Das liegt nicht nur an der Stimme von Sam Amidon, sondern auch an seinem Instrumenteneinsatz, der auf „Bright Sunny South“ immer sehr luftig und direkt ist. Die Kompositionen bestechen vor allem durch ihre extreme Schlichtheit und Reduziertheit. Amidon nutzt meist nur wenige Instrumente und einige Geräusche und Samples, um stille, in sich ruhende Kleinkunstwerke zu erzeugen.

Durch diese innere Ruhe und Wärme von „Bright Sunny South“ wirkt der Kontrast bei den aufbrausenden und lauteren Momenten umso größer und gewaltiger. So etwa bei „He’s Taken My Feet“, das zunächst ruhig und gelassen wächst, dann aber in lauten Gitarrenstörgeräuschen und Drums mündet. Ein gekonnter Ausbruch in einem Album, das die Wärme der amerikanischen Folk- und Countrytradition tief in sich trägt, so dass Amidon eigentlich an keiner Stelle seine Herkunft leugnen kann. Das versucht er aber auch gar nicht erst, statt dessen covert und samplet er amerikanische Traditionals und bereichert damit das Album, auf dessen Live-Umsetzung beim diesjährigen Haldern Pop wir uns jetzt schon freuen.

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