Rezensionen

Ryan Adams – „Ryan Adams“ (s/t)

Ryan Adams - Ryan Adams (s/t)

Spricht man von Ryan Adams kommt man auch immer schnell auf seinen umfangreichen Output zu sprechen. Von 2000 bis 2004 veröffentlichte er im Jahrestakt Alben und 2005 sogar drei Alben in nur einem Jahr. Danach wurde der einst so umtriebige Musiker allerdings etwas ruhiger und mit „Easy Tiger“ und „Cardinology“ folgten bis 2011 nur zwei Alben, die auch wirklich zur offiziellen Solo / The Cardinals Diskografie gezählt werden. Auf „Orion“ lebte Adams 2010 seine Liebe zu Metal aus und „III / IV“ war zwar ein Doppel-Album mit zwei unveröffentlichten The Cardinals Alben, bekam aber wohl nur einen Release, weil die Alben halt da waren und nicht weil Künstler und Label zu 100 % dahinter standen.

Die Zeit seit 2005 und vor allem wohl ab 2008 war für Ryan Adams jedoch vor allem geprägt vom immer währenden Kampf mit Alkohol- und Drogenexzessen und vor allem seinem Ménière-Syndrom. Jener Ohrenerkrankung, die Schwindel und Angstzustände erzeugt und die Ryan zu seiner Solo-Tour „Live after Deaf“ inspirierte. 2011 war er dann zurück mit seinem ersten Solo-Album seit 2005. „Ashes & Fire“ zeigte ihn von einer ruhigen Seite, die quasi wie eine Selbsttherapie klang.

Seitdem öffnete sich Ryan Adams wieder etwas mehr, war wieder regelmäßiger live zu sehen und begann sein eigenes Pax-Am-Studio aufzubauen, in dem unter anderem Fall Out Boy eine EP aufnahmen. Es folgten regelmäßige Vinyl-Releases auf Pax-Am Records und 2013 trat Ryan erstmals seit dem Ende von The Cardinals auch wieder mit Band auf. Im Anschluss nahm er dann auch die Arbeit an seinem 14ten Studioalbum auf, bei dem Mike Viola von den Candy Butchers an den Reglern saß. Der hat sich unter anderem schon für Arbeiten mit Rachael Yamagata und Ryan’s Ehefrau Mandy Moore einen Namen gemacht. Neben den gewohnten Einflüssen aus Folk, Alt-Country und Americana hat auch Ryan’s Vorliebe für Classic-Rock das Album beeinflusst. Weil das Album laut einiger Aussagen in Interviews genau so klingt, wie er jetzt klingen möchte, hat er das Werk auch schlicht „Ryan Adams“ betitelt. Der Opener „Gimme Something Good“ zeigt dann auch gleich, dass Ryan nun gern wieder die E-Gitarre in die Hand nimmt. Ein knackiges Riff, leicht rotziger Gesang und ein temporeicher Refrain zeigen den Amerikaner rockig, wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr.

Mit Gitarrenpop-Klängen geht es dann auf dem größten Teil des Albums weiter. Zum Beispiel bei „Kim“, einem gefühlvollen Pop-Song in der Nähe von Tom Petty and the Heartbreakers. Übrigens mit einem gewissen Johnny Depp an der Gitarre, der später auch noch bei „Feels Like Fire“ zu hören ist. Diese beiden Mid-Tempo-Nummern verbreiten, wie viele andere Stücke auf „Ryan Adams“ eine positive Grundstimmung. Ryan scheint Frieden mit der Welt schließen zu wollen und bedankt sich mit Songs, die sicherlich zum stärkeren Viertel seiner Solo-Karriere zählen. Die üblichen Balladen dürfen auf „Ryan Adams“ natürlich auch nicht fehlen. Zum Beispiel das sanft vorgetragene „My Wreckingball“ und der ruhige Rausschmeißer „Let Go“. Wie immer werden sich die Geister wieder an diesem Album scheitern und das in limitierter Auflage veröffentlichte „1984“ ist dann für viele das viel bessere Album, aber auch diese Fans müssen erkennen, dass Ryan Adams auch mit fast 40 Jahren vor jugendlicher Energie sprüht und unbekümmerte Songs schreiben kann, bei denen im Grunde jeder sein Lieblingsstück für die Ewigkeit finden kann. Und wenn nicht auf diesem Album, dann eben auf einem der unzähligen anderen Releases.

Facebook // Website / Label

Musik von Ryan Adams bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive