Rezensionen

Ryan Adams – Ashes & Fire

Ryan Adams - Ashes & Fire

Knappe drei Jahre sind seit dem Release von „Cardinology“, dem letzten offiziellen Studioalbum von Ryan Adams vergangen. Damals veröffentlichte der mittlerweile in Los Angeles lebende Musiker noch gemeinsam mit seiner Band The Cardinals. Die durchschnittlichen Songs auf dem Album sprachen aber bereits dafür, dass seine Band ihren Zenit bereits überschritten hatte. Ihren kreativen Höhepunkt hatten sie eigentlich auch schon mit dem wirklich famosen gemeinsamen Erstling „Cold Roses“ hinter sich. Das im gleichen Jahr erschienene „Jacksonville City Nights“ zeigte eine tolle Rückbesinnung auf Ryan’s Whiskeytown Vergangenheit und das ebenfalls damals veröffentlichte Solowerk „29“ zeigte neben ein paar tollen Momenten, dass Quantität nicht alles ist.

Mit The Cardinals ließ Ryan dann noch „Easy Tiger“ (solo veröffentlicht aber mit Band eingespielt und besagtes „Cardinology“ folgen. Anschließend verabschiedete sich Ryan auf unbestimmte Zeit von der Musikbranche. Er heiratete seine Freundin Mandy Moore, arbeitete mit Norah Jones und anderen Musikern und schrieb eine Kolumne über Videospiele und Comics. Selbst Songs zu schreiben ließ ihn aber auch nicht ganz los, dabei rückte er aber ganz den eigenen Spaß in den Vordergrund und veröffentlichte 2010 das (wie er es nannte) Metal-Album „Orion“, das so etwas wie Speed-Country mit harten Gitarren präsentierte. Mit „III/IV“ gab es außerdem noch ein Doppel-Album, dass er vor ein paar Jahren mit The Cardinals aufgenommen hatte, welches jedoch nie einen Release geschafft hat.

Drei Jahre also, in denen Ryan Adams mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden war. Nun ist er zurück und hat mit „Ashes & Fire“ ein neues Soloalbum im Gepäck. Er nahm es auf, nachdem die Symptome von Morbus Menière, einer Krankheit, an der er leidet und zu dessen Symptomen auch die Störung der akustischen Wahrnehmung gehört, wieder ein wenig abgeklungen waren. Angespornt von Laura Marling, deren Songwriting ihn beeindruckte und die er über den gemeinsamen Produzenten Ethan Johns kennenlernte, wollte er unbedingt diese Songs schreiben. Die Aufnahmen fanden direkt in seinem Heimstudio statt. Als Background-Sängerinnen konnte er Norah Jones und natürlich Mandy Moore gewinnen.

Die Songs auf „Ashes & Fire“ zeigen sich in reduzierterem Gewand als noch seine Bandausflüge. Behutsam und mit viel Bedacht lässt er die Kompositionen öffnen und gibt ihnen Raum zur Entfaltung. Möchte man es in seiner Vergangenheit verorten wäre es das fehlende Bindeglied zwischen seinem Solo-Debüt „Heartbreaker“ und seinem kommerziellen Durchbruch „Gold“. Mit viel Gefühl haucht er stellenweise ins Mikro und liefert beispielsweise mit „Come Home“ einen seiner klassischen Gänsehautmomente. All seine Sehnsüchte hat er in schnörkellos zeitlose Arrangements gepackt, die zeigen, dass Ryan die Pause gut tat. Die kreativen Akkus scheinen wieder voll aufgeladen und führen bei ihm nicht mehr nur zu quantitativ zählbarem, sondern auch zu qualitativ beachtlichem Output.

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