Rezensionen

Röyksopp – Senior

Wenn man jung ist, hat man noch Träume. Oder man macht zumindest Dinge, an die man ein paar Jahre später lieber nicht erinnern werden möchte. Und gerade wegen dieser Erfahrungen, beginnt man sich zu entwickeln. Manche nennen es dann „reifen“. Ob die Norweger von Röyksopp es tatsächlich noch nötig haben zu reifen, darf zumindest angezweifelt werden. Zu erfolgreich waren ihre letzten elektronischen Kompositionen – bei Kritikern wie Hörern gleichermaßen. Dabei beherrschen Sie gleich mehrere Spielarten der elektronischen Musik, die sowohl daheim im Wohnzimmer als auch im Club, aber vor allem live bei ihren großartigen Konzerten zum Tragen kommen.

In bester Erinnerung ist jedenfalls noch das fantastische „What else is there“ oder ihr Auftritt beim MELT 2009, als Sie auf der Main Stage tausende Menschen in Begeisterung und Erstaunen versetzt haben. Selten gelingt es Musikern die Hörer mit der gleichen Musik zum Feiern und gleichzeitig zum Träumen anzuregen. Röyksopp schaffen es dank großartiger Melodien, den passenden Gastsängern und somit einer skandinavischen Mischung, die weltweit Anerkennung findet.

Eine weitere Entwicklungsstufe haben Sie nun mit ihrem Album Senior erklommen. Nachdem der jüngere Bruder „Junior“ noch wild und feierwütig daherkam, ist sein älterer Konterpart deutlich gesetzter. Zum einen wird komplett auf Vocals verzichtet, was die Musik somit schon an sich deutlich minimalistischer daherkommen lässt. Während „Tricky Two“ durchaus Club-kompatibel erscheint wird es mit Ausnahme des Minimal-Krachers „The Drug“ deutlich entspannter. Perfekt, um während einer Zugfahrt in eine andere Welt einzutauchen und die Landschaften an einem vorbeiziehen zu lassen. Manch einer mag das Album langweilig finden. Das kommt hin, wenn man die „Junior“ als Maßstab nimmt. Lässt man sich jedoch auf die Ambient- und Chill-Out Musik ein, findet man schnell Gefallen und entdeckt einen Begleiter für gemütliche Sonntagnachmittage oder Abende mit einer guten Flasche Rotwein. Anscheinend sehen sich die Norweger angekommen – das lässt zumindest das harmonische „Coming Home“ vermuten. Doch Röyksopp wären nicht Röyksopp und sehen ihre Entwicklung längst noch nicht abgeschlossen. „A long long way“ lautet der letzte Titel des Albums.

Rating: ★★★★½
Röyksopp

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