Rezensionen

Razorlight – Slipway Fires

razorlightthumbDiejenigen, die Razorlight bereits 2006 mit Release ihres zweiten Albums abgeschrieben haben, werden bei „Slipway Fires“ und der ersten Single „Wire To Wire“ nun erst Recht die Nase rümpfen. Wer Johnny Borrell und seinen Mitstreitern dennoch eine Chance gibt, gewinnt immerhin ein paar Erkenntnisse. Okay, die erste davon wird sein, das neue Razorlight Album ist noch weiter weg vom Debüt, als es schon das Zweitwerk war, das bedeutet im Klartext, nach poppigem Indie-Rock und Brit-Pop gibt es nun eben Pop. Die zweite Erkenntnis folgt auf dem Fuße, Razorlight haben die sich abzeichnende Entwicklung konsequent fortgesetzt, von herausragend über klasse zu nett. Endgültig im Mittelmaß angekommen machen sie dann aber das Beste daraus und fröhnen ihrer ihrer Liebe zum Pop der 60er und 70er Jahre. Einflüsse, die an sich nichts schlechtes verheißen, wenn sie originell verarbeitet werden, Borrell und Co. tun das leider nicht.

Dabei fängt es sehr vielversprechend an, der Opener „Wire To Wire“ ist eine lupenreine Piano-Ballade mit schmachtenden an Bob Geldof gemahnenden Johnny Borrell und einem Background-Chor, der hymnenartig nach den Sternen greift. Song 2, „Hostage Of Love“ ist dann ein guter Mid-Tempo Pop-Song mit tollem Refrain und eingängiger Melodie, danach begibt sich die Band allerdings schon sehr nahe an der Schmerzgrenze. Bei „Tabloid Lover“ und „North London Trash“ ist es nämlich schon unmöglich die Razorlight wieder zu erkennen, die man einst auf dem Indie-Dancefloor lieben gelernt hat. 70ies Rock-Nummern mit selten dämlichen Texten und beinahe nervigen Piano-Pop-Einlagen. Stücke, wie „Stinger“ und das leicht an die Beatles erinnernde „Burberry Blue Eyes“ stimmen dann zumindest wieder milde, man sollte sich aber nicht in Sicherheit wägen. Darauf folgt dann nämlich mit „Blood For Wild Blood“ so etwas wie „Wire To Wire“ Part 2. Das Problem, hier klingen Razorlight als hätten sie sich den Song von einer aktuellen Bon Jovi Platte geklaut und ein Abziehbild eines Abziehbildes ist nun wirklich alles andere als das, was man erwartet. „Monster Boots“ hebt die Stimmung dann zumindest wieder etwas und lässt kurz noch einmal an die sich hochpeitschenden Songs auf Album 1 erinnern. Man will nach einem solchen Moment eigentlich nicht resignieren, tut es dann mit dem Abschluss „The House“ und Bon Jovi Part 2 dann doch. Das sollte man jetzt nicht falsch verstehen, von einem Pop-Standpunkt aus ist „Slipway Fires“ durchaus ein gutes Album, zum Beispiel für den Plattenschrank der großen Schwester, die noch etwas Platz neben den Kuschelrock CD’s hat. Betrachtet man das Album allerdings wirklich tiefgehend, offenbart sich ein trauriges Zeugnis der Amokfahrt von Razorlight in die musikalische Mittelmäßigkeit. Langweilig wird ihnen da aber bestimmt nicht werden, da warten ja auch schon die Landsmänner der Kaiser Chiefs und Snow Patrol auf sie.

Rating: ★★☆☆☆
Razorlight
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Video zu „Hostage Of Love“

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