Rezensionen

Radical Face – The Family Tree: The Leaves

Radical Face - The Family Tree: The Leaves

Mehr als acht Jahre ist es her, dass Ben Cooper alias Radical Face ein Jahr nach dem Release seines Debüt-Albums „Ghost“ (mit dem Stück „Welcome Home“, das wohl jeder aus der Nikon Werbung kennt) den Entschluss fasste, sein eigenes Familien-Epos zu schreiben. Da er Musiker und kein Autor oder Filmemacher ist, wollte er das auf musikalischem Wege tun.

Es dauerte dann noch einmal drei Jahre, bis mit „The Family Tree: The Roots“ der erste Teil erschien. Das Album wurde direkt angekündigt als erster Teil einer Trilogie über die Familie Northcote. Beginnend im 19. Jahrhundert nutzte Cooper auf dem ersten Werk auch nur Instrumente, die es zu jener Zeit gab und erzählte aufrüttelnde Geschichten über die einzelnen Familienmitglieder, die durch verschiedene Motive und Instrumente wiedererkennbar wurden.

Zwei Jahre später folgte mit „The Family Tree: The Branches“ auch schon der zweite Teil. Die Familie wurde nun teils von den Geistern der Vergangenheit verfolgt und kämpfte im Schatten der industriellen Revolution und kriegerischer Drohkulissen in aller Welt mit ihren ganz eigenen Problemen.

Bevor es mit dem dritten Teil „The Leaves“ jetzt zum Abschluss der Radical Face „Family Tree“ Trilogie kommen sollte, veröffentlichte Cooper Ende des Jahres mit „The Bastards“ noch eine Sammlung von drei EPs, die im Laufe der Jahre erschienen waren. Auf ihnen führte er die Geschichte der Familie noch weiter aus und ergänzte hier und da Kleinigkeiten.

Teil 3 bedeutet nun nicht nur das Ende der Trilogie, sondern auch, dass die Familie mittlerweile in der Neuzeit angekommen ist. Das heißt auch, dass Ben Cooper selbst einen viel größeren Bezug zur Zeit und ihren Ereignissen hat, weshalb sich auf „The Leaves“ auch Inspiration mit seiner eigenen Biographie vermischt. Es geht um Homophobie, häusliche Gewalt, Kindesmissbrauch und die Folgen von religiösem Fanatismus. Dadurch ist das gesamte Album aber natürlich nicht vollständig in Melancholie und Traurigkeit getaucht. Denn neben aktuellen Bezügen bedient sich der US-Amerikaner auch aktueller Instrumente und hüllt „The Leaves“ in eine Mischung aus symphonischem Indie-Pop, Folk, Shoegaze und Electronica. Das klingt beim Opener ein wenig nach Sufjan Stevens, in der Folge aber vor allem nach dem typischen Radical Face Sound, der bei aller Traurigkeit dank der häufig luftigen Instrumentierung viel Licht und Hoffnung in sich trägt.

So ergeben sich auf „The Leaves“ auch euphorische Momente, wie „The Ship in the Port“, bei dem sich die Band am Ende fröhlich austobt. Den größten Moment hebt sich Ben Cooper natürlich für das Ende auf. „Bad Blood“ ist ein ausuferndes Stück mit dick aufgetragenem Pathos, das für einen tosenden Abschluss des Albums sorgt, nach dem wir gespannt auf die nächsten Projekte von Radical Face sein dürfen.

Radical Face auf Deutschland-Tour (Support: The Little Books)

11. April 2016, Köln – Kulturkirche
12. April 2016, Köln – Kulturkirche

13. April 2016, Berlin – Silent Green
14. April 2016, Berlin – Silent Green

23. April 2016, Frankfurt – Brotfabrik
24. April 2016, Frankfurt – Brotfabrik

Facebook // Homepage // Label

Musik von Radical Face bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive