Rezensionen

Radical Face – The Family Tree: The Branches

Radical Face - The Family Tree: The Branches

Als Ben Cooper alias Radical Face vor zwei Jahren sein zweites Album „The Family Tree: The Roots“ veröffentlichte gab er zum Album direkt bekannt, dass es sich dabei um den ersten Teil einer Trilogie mit dem Titel „The Family Tree“ handeln würde. Die Trilogie erzählt die Geschichte der Familie Northcote und spielt im 19ten Jahrhundert. Für die Instrumentierung nutzte Cooper nur Instrumente, die es in der Zeit schon gab und nutzte einzelne Instrumente, um bestimmte Familienmitglieder zu symbolisieren.

Auf „The Roots“ folgt nun nicht „The Tree Trunk“, wie man vielleicht vermuten möchte, Cooper macht sich direkt auf und widmet sich mit dem zweiten Teil der Trilogie direkt den Zweigen, „The Branches“. Zweige bedeuten in diesem Fall Nachfahren der Familienmitglieder aus dem ersten Teil der Trilogie. Die Geschichten sind jetzt im Zeitraum von 1860 bis 1910 angesiedelt, die Erzählweise des Vorgängers bleibt natürlich bestehen und bestimmte Melodien und Instrumente stehen wieder für bestimmte Familienmitglieder. So schließt das Album auch nahtlos an den Vorgänger an, man erkennt gewohnte Instrumentierungen und Motive wieder und wird gleich in den Bann gezogen.

Diese Wiedererkennbarkeit und dezente Weiterentwicklung ist auch gleich die größte Stärke des dritten Radical Face Albums. Es stellt sich gegen den Trend, sich mit jedem Album neu erfinden zu müssen, aus Angst Hipsterfans zu langweilen. Cooper zeigt jedoch, dass man gewohnte Mittel einsetzen kann und sich nicht neu erfinden muss, um sich weiter zu entwickeln. Die Songs auf „The Branches“ leben wie auch die der Vorgänger von gekonntem Percussion- und Drumeinsatz, tollen Pianomelodien und vor allem toll erzählten Geschichten. Dabei gibt es ebenso wieder Bombastmomente, in denen die Drums anschwellen und die Songs wunderbar stampfen. Dagegen stehen dann ruhige, zerbrechliche Momente, in denen Cooper sich langsam und leise durch die Songs singt. Bekannte Motive, wie Handclaps und leicht gehetzte Erzählweise, wie bei „Always Gold“ finden sich auf dem Album zum Beispiel im Song „From The Mouth Of An Injured Head“. Damit zeigt Cooper aber keineswegs Einfallslosigkeit, sondern zeigt sich als talentierter Geschichtenerzähler, der sein Handwerk beherrscht und seine Geschichten in mitreißende Instrumentierungen kleidet und nie langweilt. Bleibt zu hoffen, dass sich andere Musiker vielleicht auch ein Beispiel an der altmodischen Herangehensweise von Radical Face nehmen und erkennen, dass Weiterentwicklung nicht auf Kosten alter Stärken und des eigenen Sounds gehen muss. Dass es nämlich auch schief gehen kann, sich auf jedem Album unbedingt neu erfinden zu wollen haben ja Arcade Fire unlängst mit „Reflektor“ bewiesen.

Radical Face auf Deutschland-Tour

19. November 2013, Köln, Kulturkirche
20. November 2013, Berlin, Lido
21. November 2013, Hamburg, Übel & Gefährlich
23. November 2013, Offenbach, Hafen 2
24. November 2013, Heidelberg, Karlstorbahnhof
25. November 2013, München, Backstage

Facebook // Homepage // Label

Musik von Radical Face bei Amazon.de kaufen

Discussion

  1. […] via: WhiteTapes.com […]

    Posted by Albumstream: Radical Face – The Family Tree: The Branches » noisiv.de | November 6, 2013, 7:07 pm
  2. […] Radical Face – The Family Tree: The Branches […]

    Posted by WhiteTapes Record Of The Year 2013 – das Ergebnis | WhiteTapes | Januar 1, 2014, 2:04 pm

Archive