Rezensionen

Quasi – American Gong

Es ist schon verwunderlich, wie manche seit Jahren als Nebenprojekt geschimpfte Konstellation sich klammheimlich zum Hauptprojekt aller Beteiligten entwickeln kann. Noch verwunderlicher ist es, dass eine Band wie Quasi nie so wirklich den verdienten (Indie)-Durchbruch geschafft hat.

Auch wenn es mittlerweile eine Besetzungserweiterung gab, die aus dem Duo ein Trio macht, haben Quasi aus Portland seit mittlerweile 8 Alben den Titel „Vorreiter amerikanischen Indie-Rocks“ in ihre Stirn geritzt. Falls hier und da noch ein Blutstropfen hinabfließen sollte, bleibt eh keine Zeit ihn wegzuwischen. Wer soll bei so vielen Haupt- Neben- und Unterprojekten der Bandmitglieder auch noch Zeit zum wischen, schlafen oder gar atmen finden. Immerhin hat Janet Weiss seit 2006 eine Bandprobe weniger auf ihrem Stundenplan: Sleater-Kinney verkünden auf unbegrenzte Zeit zu pausieren, nachdem Janet sie jahrelang an- und schließlich zur Riot Grrrl Kultband getrommelt hatte. Doch (k)ein Grund zur Trauer: So bleibt ihr mehr Zeit um für Quasi, Conor Oberst und als Stephen Malkmus‘ Jick auf ihr Schlagzeug einzudreschen.

Es ist nicht zu überhören, dass Sam Coomes, ihr Ex-Mann, und bisher Hauptsongwriter in Quasi, sich auf diesem Album mehr von Janet und mittlerweile Vollzeit-Bassistin Joanna hat beeinflussen lassen. Klangen Quasi Alben zuvor, als bestünden sie allein aus Songs, die der ehemalige Bandkollege Elliot Smith’s (in Heatmiser) und nach wie vor Pink Mountain Mitstreiter, in seinem Schlafzimmer geschrieben hat um ihnen anschließend von Janet nur noch den letzten Schlagzeugschliff verpassen zu lassen, klingt „American Gong“ erstmalig wie ein Bandalbum, dazu noch fröhlicher als alles, was Quasi jemals veröffentlicht haben und außerdem getrieben von einer deutlichen Trio-Energie. Das dürfte nicht zuletzt an der dritten im Bunde liegen.

Auch Joanna Bolme dürfte sich in der Vergangenheit nicht über Langeweile beklagt haben können. Ihre Referenz-Liste sollte sie sich eingerahmt an jede Wand hängen – schließlich kann nicht jede von sich behaupten in Stephen Malkmus‘ Band Bass zu spielen und als seine Ex-Freundin, Elliot Smiths‘ letztes Album „From a Basement on a Hill“ nach seinem Tode noch mit-fertiggestellt zu haben. Die Basslinien, die sie auf „American Gong“ zum Leben erweckt, sind so stabil, dass sie wahrscheinlich sogar eine Horde galoppierender Pferde tragen könnten. Samt Reiter.

Diese Veröffentlichung ist spannender und zeitloser als fast jedes andere Album, das derzeit mit unter der Decke der hübschen Indie-Jünglinge steckt, und trotzdem werden Quasi wohl wieder in deren Fahrwasser nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen. Vielleicht klappt es ja mit Album Nummer 9. Ich drücke beide Daumen. Bis sie bluten.

Rating: ★★★★☆
Quasi

Quasi auf Tour:

17. Mai, Köln, Tsunami
19. Mai, Berlin, C-Halle w/ Pavement
20. Mai, Offenbach, Hafen 2
21. Mai, München, 59:1

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