Rezensionen

Preoccupations – „Preoccupations“ (s/t)

Preoccupations - self titled album

Man kann wohl ohne Zweifel behaupten, dass es die Mitglieder von Preoccupations in den letzten Jahren nicht unbedingt immer leicht hatten. Zunächst veröffentlichten sie von 2007 bis 2010 zwei viel beachtete Alben unter dem Namen Women, bis sie 2012 einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen mussten, als Frontmann Christopher Reimer im Schlaf starb. Noch im selben Jahr fanden sich zwei der verbliebenen Mitglieder mit befreundeten Musikern zusammen und gründeten Viet Cong. Damit machten sie es sich dann, nachdem sie es zunächst unverschuldet nicht leicht hatten, von selbst schwer mit potentiellen Fans. Denn trotz viel Lob für den, aus der Zeit gefallenen, Post-Punk ihres schlicht „Viet Cong“ betitelten Debüts, mussten sie, insbesondere in den USA, viel Kritik für ihren Namen einstecken. So beschlossen sie, nach einigen Festivalabsagen von Seiten US-amerikanischer Veranstalter, ihren Namen zu ändern. Im Juni meldeten sie sich nun unter dem neuen Namen Preoccupations zurück und veröffentlichten seitdem mit den Streams von „Anxiety“, „Degraded“ und „Memory“ auch bereits drei Vorboten auf ihr nunmehr zweites Album, das sie der Logik des ersten Albums folgend, schlicht „Preoccupations“ getauft haben.

Bis auf den Namen ist bei Preoccupations dann auch vieles gleichgeblieben. Die Grundstimmung ist etwas weniger bedrückend und die Band nutzt nun statt nur E-Gitarren in ein paar Songs auch Synthesizer. Die Referenzen sind dabei nach wie vor aber größtenteils Bauhaus, Joy Divisiony und Echo & The Bunnymen. Das ist wenig innovativ, eigentlich einfach nur rückwärtsgewand, aber dennoch gelingt es den Kanadiern einmal mehr, die Referenzen geschickt zu verarbeiten und ein packendes Album zu kreieren. Eines, bei dem das bereits erwähnte „Memory“, trotz elf Minuten Länge, in jeder Sekunde zu fesseln weiß und einen durch die Ups und Downs der Bandkarriere und die persönlichen Schicksale der Musiker nimmt, die teils so pleite waren, dass sie ihre Wohnung kündigten und nur noch im Studio wohnten, um weiter Musik zu machen. Eine Einstellung, die man ähnlich von Protomartyr kennt. Die stammen aus Detroit und wirken in ihrer Bandbiogaphie teils ähnlich kaputt, wie ihre Heimatstadt, die bekanntlich inzwischen als Inbegriff des Zerfalls der Industrie der USA gilt.

Das erwähnte „Memory“ dient dabei vor allem mit berauschender und fesselnder Manier als Fixpunkt, um den Preoccupations düstere Songs drapieren, die von Post-Punk, Kraut-Rock und teils auch Goth-Elementen geprägt sind. Die Themen sind dabei auch alles andere als fröhlich, es geht um Existenzängste, wie in „Anxiety“ oder auch Selbstzweifel und persönliche Demütigungen („Sense“ und „Degraded“). Das verarbeitet die Band neben vielen Klangflächen und bedrohlich geloopten Schlagzeugen auch in minimalistischen Songs, wie dem eulogischen „Forbidden“, das beinahe als Ruhepunkt in einem rauschenden Meer von Verzerrungen der anderen Stücke dient und zusätzlich zur Vielfalt dieses Albums beizutragen weiß. Ein Album, nach dem es Preoccupations vielleicht ein wenig leichter haben.

Preoccupations auf Deutschland-Tour

15. November 2016, Hamburg – Molotow
16. November 2016, Berlin – Bi Nuu
28. November 2016, Köln – Luxor

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