Rezensionen

Post War Glamour Girls – Pink Fur

Post War Glamour Girls - Pink Fur

Auf die Frage, ob Ringo Starr der beste Drummer der Welt sei, sagte Paul McCartney einst, dass Ringo nicht einmal der beste Drummer bei den Beatles sei. Nur eine von vielen Geschichten, in denen sich andere Musiker über Drummer lustig machen. Eine Band, die aus vier Drummern besteht erscheint da erst einmal wie ein Witz, oder wie der Cast von Stomp. Beim Quartett von Post War Glamour Girls handelt es sich um so eine Band, die komplett aus Drummern besteht und ihre Musik ist alles andere als ein Witz. Bei ihrer Gründung haben die vier Musiker ihre Rollen demokratisch verteilt und sich neue Rollen gesucht. Ob Drummer Ben Clyde nun der beste der vier Drummer war und deshalb seinen Platz dort behalten durfte, oder ob er es einfach nicht hinbekommen hat, sich an einem anderen Instrument zurecht zu finden, ist nicht bekannt. Zu hören ist jedoch, dass alle vier Mitglieder von Post War Glamour Girls talentierte Musiker sind, die einen mitreißenden, druckvollen Sound erschaffen, der die Band zurecht zum neuesten heißen Scheiß in ihrer Heimat Leeds machte. Pop-Up Gigs an unterschiedlichsten Locations von verlassenen Häusern bis hin zu Galerien, Wohnzimmershows und regelmäßige Konzerte der Band waren stets mehr als gut besucht und bescherten der Band einen Ruf, der mittlerweile auch weit über England hinaus geht.

Mit „Pink Fur“ legen Post War Glamour Girls nun ihr Debüt vor, das über einen längeren Zeitraum mit viel Liebe zum Detail und Hingabe in Eigenregie entstanden ist. Mit „Pink Fur“ gelingt es dem Quartett uns eine Musik näher zu bringen, die sonst hier nicht stattfinden würde. Am ehesten lässt sich der Sound der Band als eine Prog-Rock mit hohem Einfluss aus Underground, Garage und vor allem Punk beschreiben. Sänger und Hauptsongwriter James Smith wechselt dabei häufig zwischen starkem Gesang und akzentuiertem Sprechgesang. Das ergibt einen mutigen, chaotischen und vor allem drückenden Sound, der sich durch die Eigenheiten der Band zunächst als schwer zugänglich zeigt, sich aber mit jedem Durchlauf mehr und mehr öffnet und die derzeitige Indieszene um eine wirklich kreative, fortschrittliche Note bereichert. Der Opener „Sestra“ ist ein perfektes Beispiel dafür. Das Stück wechselt zwischen ruhigen und düster bis morbid rockenden Passagen. Sänger Smith verausgabt sich ebenso wie auf den Konzerten der Band und legt seine ganze Kraft in den Song. Das ergibt sechs Minuten, die nie langweilig, sondern schlicht und ergreifend mitreißend und aufrüttelnd sind. Ähnlich stark ist die derzeitige Single „Red Terror“. Ein Stück, das wie viele auf dem Album, zwischen morbid, surrealen Lyrics, ruhigen Gesangspassagen und fetten Gitarrenwänden schwankt. Diese Herangehensweise aus starken Lyrics, die leidenschaftlich und kraftvoll vorgetragen werden in Verbindung mit kunstvoller und akzentuiert gesetzter Instrumentierung erinnert in der aktuellen Szene sehr an M O N E Y aus Manchester, auch wenn zwischen den Soundwelten der Bands Welten liegen. Nichtsdestotrotz gibt diese Erzählweise dem Album eine ungeahnte Tiefe und sorgt dafür, dass man sich nur zu gern auf den zunächst sperrigen Sound der Post War Glamour Girls einlässt und sich immer wieder von ihren hypnotischen, betörenden, waghalsigen und teils bedrohlichen Geschichten gefangen nehmen lässt.


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Discussion

  1. […] einigen Wochen veröffentlichten Post War Glamour Girls mit “Pink Fur” eines unserer bisherigen Album-Highlights des Jahres. Ihre gekonnt ausgearbeitete Mischung aus […]

    Posted by Post War Glamour Girls – Video zu “Little Land” | WhiteTapes | April 3, 2014, 3:01 pm

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