Rezensionen

Port O'Brien – Threadbare

Im letzten Jahr zog der Fischerssohn Van Pierszalowski zusammen mit seiner Lebensgefärtin Cambria Goodwin und ein paar Freunden in die Welt, um Seemannslieder, Lieder von der Einsamkeit auf hoher See, dem Leben als Fischersjunge und über die Liebe zum Besten zu geben. Alle Lieder zwischen beschwingt folkig rockend, bis zu akustisch zurückhaltend wurden auf dem Album ersten offiziellen Release „All We Could Do Was Sing“ versammelt und natürlich zurecht abgefeiert. Viel ist seitdem passiert, Port O’Brien tourten einmal um den gesamten Globus und wurden überall herzlich empfangen. Besonders prägend war wohl auch die Weihnachts-Tour zusammen mit Get Well Soon (hier zu unserem Bericht aus Bochum), bei der die Band ein Vorweihnachtszeit erlebte, die so ganz anders von der Amerikanischen ist. Natürlich gab es unzählige andere Ereignisse, aber von dieser Tour zeigen sie sich noch immer beeindruckt.

Es gab allerdings auch schwere Schicksalsschläge und so wurden Van und Cambria kurz nachdem sie einmal den gesamten Globus umrundet hatten mit dem wahren Leben konfrontiert, Cambria’s jüngerer Bruder starb überraschend bei einem Autounfall und die ganze Leichtigkeit der letzten Monate war mit dieser einen Nachricht wie weggeblasen. Für das Duo waren die folgenden Wochen eine Zeit, in der sie alles in Frage stellten, das Fazit war letztlich, so kitschig das klingen mag, „Carpe Diem“. So nutzten sie dann auch ihre Zeit und begannen in zwei Etappen neue Songs zu schreiben. Zunächst in ihrer Wahlheimat Kalifornien und in einer zweiten Session in Schweden. Das Ergebnis ist ihr zweites Album „Threadbare“, das aufgrund der geschilderten Umstände dann auch so ganz anders daher kommt, als noch sein größtenteils fröhlicher Vorgänger. Die Eröffnung mit dem Song „High Without The Hope 3“ ist meditativ, traurig und in sich gekehrt, man hört nur Cambria singen und stellt sich die Band um ein Lagerfeuer vor, wie sie nachdenklich die Saiten anschlägt und den Flammen in der Bewegung zusieht. Wunderschön kommt dann Track 2 „My Will Is Good“ daher, chorales Summen und ein unterhaltsamer Rhythmus machen das Stück beinahe schon fröhlich. Allerdings nie laut, sondern immer akustisch zurückhaltend. Einen traurigen Grundton trägt „Threadbare“ dann auch in jedem Lied mit sich, selbst, wenn Van hingeht und in „Oslo Campfire“ sein „La La La La La La Laaa“ anstimmt. Auch wenn das Wort Leisetreter-Folk etwas verniedlichend klingt ist „Threadbare“ doch genau das, ruhige Folk-Stücke mit sanfter Instrumentierung, die mal nach Wohnzimmeratmosphäre und mal nach der Weite der auf dem Cover abgebildeten Landschaft klingen. In den besten Momenten erinnert das Album dann sogar etwas an das „MTV Unplugged“ von Nirvana, die vor etwas mehr als 15 Jahren eine ähnlich meditative und nachdenklich melancholische Stimmung auf ein Album bannten.

Rating: ★★★★½
Port O’Brien

30. November, Hamburg, Molotov
01. Dezember, Köln, Gebäude 9
02. Dezember, München, Feierwerk
03. Dezember, Schorndorf, Manufaktur
04. Dezember, Berlin, Lido

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