Rezensionen

Placebo – Battle For The Sun

Placebo haben es einem nicht immer einfach gemacht. Was mit ihrem gleichnamigen Debüt als stürmische Liebe begann und sich mit noch großartigeren „Without You I’m Nothing“ zu einer längerfristigen Beziehung zu entwickeln schien, flachte bei Album Nummer 3 „Black Market Music“ schon wieder ein wenig ab. Die Gewohnheit schien Einzug in die Beziehung zu halten. Man kannte sich schon gut, wusste von den Macken des Anderen und übersah dabei häufig die Stärken. So trennten sich die Wege nach diesem letzten kurzen Techtelmechtel über Schwarzmarktmusik. In der Folge hörte man viel über die Ex-Liebschaft, die war in der Zwischenzeit im Charts-Trubel gelandet, machte ein neues Album namens „Sleeping With Ghosts“ mit großem kommerziellen Erfolg. Aber die Luft war raus, das wollte einen nicht packen. Als Placebo dann mit „Meds“ noch einmal das gleiche Album nur mit anderem Namen veröffentlichten war auch der Moment gekommen an dem man dachte, die machen nicht mehr lange.

Eine Vorhersage, die gar nicht mal so falsch schien. 2007 war über die alte Liebe zu lesen, dass mit Steve Hewitt mittlerweile der zweite Drummer der Band nun ausgestiegen sei. Auf der dem Album beiliegenden Doku bestätigt Brian Molko zudem, dass die Band kurz vor dem Aus stand. Mit Steve Forrest war dann aber schnell ein junger Ersatz gefunden, der sich der Band beinahe selbst aufdrängte. Die Meldung, Placebo seien nun beim Indie-Label PIAS gesigned ließ dann doch kurz aufhorchen, war aber auch wieder schnell vergessen. Bis zum ersten neuen Lebenszeichen, das „Battle For The Sun“ heißen sollte, jener Vorabsong zum neuen, gleichnamigen Album, den die Band über ihre Homepage verschenkte und der die Band von der Seite zu zeigen schien, in die man sich einst verliebt hatte. Placebo schienen es endlich geschafft zu haben den nach „Black Market Music“ scheinbar so liebgewonnenen Bombast mit ihrem Ursprungssound zu verbinden. Auf der ersten offiziellen Single „For What It’s Worth“ zeigte die Band dann allerdings wieder eher mittelmäßiges Songwriting, dennoch, die Vorfreude auf ein neues Album der Band war wieder entfacht. Nun liegt „Battle For The Sun“, das neue Album vor und dröhnt im Opener „Kitty Litter“ erst einmal ordentlich los. Placebo haben mit Steve Forrest offensichtlich wieder zur härteren Gangart gefunden. Der Song „Ashtray Heart“ ist in der Folge dann auch noch eine zusätzliche Rückbesinnung auf die Anfänge der Band, die ursprünglich noch diesen Namen trug. Zudem noch ein Track mit für Placebo Verhältnisse schon recht positiver Grundstimmung. Der Titeltrack „Battle For The Sun“ zeigt sich nicht so positiv, aber mit ordentlich Bombast als einer der stärksten Songs des Albums, das in der Folge mit „For What It’s Worth“ und der langweiligen Struktur von „Devil In The Details“ etwas schwächelt. Der Rest ist allerdings durchweg wieder auf einem hohen Niveau, auf dem man Placebo lange nicht mehr erlebt hat. Das Album macht Spaß, bietet zwar keine hoch anspruchsvolle, dafür aber höchst eingängige und unterhaltsame Kost. mit einigen Köstlichkeiten. „Speak In Tongues“ zum Beispiel, das einen beinahe spielerischen Grundsound hat und sich zu einer Rockballade erster Güte hochsteigert, die besonders live für Gänsehaut sorgen dürfte. „Happy You’re Gone“ zeigt ähnliche Qualitäten, ebenso wie der Rausschmeißer „Kings Of Medicine“, bei dem die Band noch einmal alle Register mit wörtlichen Pauken und Trompeten zieht. Das sorgt in der Summe für ein zärtliches wiederauffrischen einer alten Liebe, die nun vielleicht auch wieder länger halten kann.

Rating: ★★★★½
Placebo
Video zu „For What It’s Worth“

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