Rezensionen

Phillip Boa And The Voodooclub – Diamonds Fall

boadiamondsfallcoversmall_540Mehr als ein viertel Jahrhundert prägt der gebürtige Dortmunder Ernst Ulrich Figgen nun schon unter dem Namen Phillip Boa mit Voodooclub die deutsche und europäische Indieszene und hat sich zu so etwas wie dem deutschen Morrissey entwickelt. Da lässt natürlich jedes neue Album aufhorchen und muss ganz genau abgeklopft werden und immer wieder beweist Boa dabei konsequente Weiterentwicklung. Während der 50 jährige Morrissey sich nicht wenig erfolgreich, seit Jahren mit der gleichen Band umgibt, sieht Boa seine Chance auf Weiterentwicklung vor allem darin, sich mit immer neuen Musikern zu umgeben. Auf „Diamonds Fall“ nahm er in seinen Voodooclub dafür unter anderem Drummer Jaki Liebezeit (Can, Depeche Mode, Brian Eno), Klez.E Frontmann Tobias Siebert und den 22-jährigen Gitarristen Cedric Vella auf.

Nimmt man die erste Single „Lord Have Mercy With The 1-Eyed“ da nun als Beispiel für neue Inspiration, könnte man meinen, Boa und seine Mannen hätten bei den Aufnahmen zu viel Morrissey gehört, bei dem Stück handelt es sich nämlich um eine Pophymne mit viel Pathos und enormer Boa-untypischer Extrovertiertheit, die dennoch einen der besten und auch den einzigen wirklichen Morrissey-Moment des Albums darstellt. Der Titeltrack „Diamonds Fall“ experimentiert mit ein paar Elektro-Beats und schaukelt sich mit Keyboard und Chören hoch zu einem Stück diamanten glänzenden Breitwand-Pops, „Valerian“ ist dann der erste richtig großartige Moment des Albums und besticht durch einen tollen Refrain und einen mitreißenden Beat. Darauf folgt allerdings mit „Fiat Topolino“ wohl eines der seltsamsten Stücke, die Boa in seiner Karriere veröffentlicht hat. Ein seltsamer Track auf italienisch über eine Fahrt im „Fiat Topolino“ mit gewöhnungsbedürftigem Gitarrenspiel und anstrengendem Beat. Nach diesem Tiefpunkt ist der Rest des Albums allerdings durchweg das, was man von Boa erwartet, qualitativ und handwerklich gut gemachte Indie-Popmusik mit schönen Melodien und interessanten Geschichten, sicherlich nichts für Boa-Neueinsteiger, aber Fans kommen voll auf ihre Kosten. Zwischen der Romantik eines Morrissey und der Wandelbarkeit eines Bowie zieht Boa alle Register, das ist bestimmt nicht immer originell, macht „Diamonds Fall“ dennoch zu einem guten Stück Pop-Musik.

Lord Have Mercy With The 1-Eyed

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