Rezensionen

Peter Doherty – Grace/Wastelands

Erinnert sich noch jemand an die Simpsons-Folge, in der Bart den Assistenten von Krusty dem Clown mimt? Er wird plötzlich zum Star, als er die gesamte Deko demoliert und sagt „Ich hab nichts gemacht“. Daraufhin tritt er ständig in der Krusty Show und anderen Sendungen auf und sagt diesen einen Satz, bis plötzlich niemand mehr lacht und sein Ruhm damit verblasst. Pete, oh Verzeihung, PeteR Doherty ist genau dieses arme Schwein. Er verzapft ständig irgendwelchen Mist, blickt einen dann in seinen Songs traurig an und singt mit einer Tonlage, als wolle auch er sagen „Ich hab nichts gemacht“. So stilisierte ihn die Presse nun mit der Zeit zum hochtalentierten, aber völlig missverstandenen Songwriter, der in den quasi legendären Libertines spielte. Missverstanden ist er wirklich, das größte Missverständnis ist dabei wohl das mit der hohen Talentiertheit.

Davon blitzte auf zwei eher passablen Babyshambles und zwei auch eher passablen Libertines Alben zwischen ein paar guten Songs nicht viel raus. Vielleicht war er ja auch einfach zu eingeengt von seinen Bandmitgliedern. Um sein großes Talent nun also zur vollen Entfaltung zu bringen musste ein Soloalbum her und um zu beweisen, wie sehr er über vier Alben gereift ist, wurde gleich noch ein Konsonant an den Namen gehängt und aus Pete dem Rowdy soll der anerkannte britische Singer-Songwriter Peter Doherty werden. Okay, die meisten Musiker auf seinem Soloalbum sind nun beinahe die gleichen, wie bei den Babyshambles, mit der kleinen Ergänzung um Blur-Legende Graham Coxon und die schottische Sängerin Dot Allison. Geändert hat sich dadurch dann auch nicht viel, die Songs auf „Grace/Wastelands“ klingen nach den Babyshambles auf der Akustik-Gitarre. Reduzierte Arrangements mit dem typischen „Ich hab nichts gemacht“ Charme, den auch Pete Doherty schon verströmte. Die Songs bewegen sich dabei in einem Spektrum zwischen anmutig schön und öde dahinplätschernd. Der Albumtitel hätte also nicht besser gewählt sein können. Dabei gibt es Momente, wie den Opener „Arcady“, der mit hübschem Arrangement und netter Melodie einen schönen Einstieg ins Album gibt und das Doherty unterstellte Talent etwas durchblitzen lässt. Auch „Salome“ ist einer dieser Momente, spärlich, aber passend instrumentiert mit einer überzeugenden Gesangsmelodie. Der größte Teil der Songs ist dann allerdings höchstens Durchschnitt verglichen mit britischen Songwriter-Größen, mit denen Doherty auf eine Stufe gestellt wird, aber Doherty ist nun einmal kein Paul Weller, oder Morrissey. Er ist eben dieser „Ich hab nichts gemacht“ Junge, der es schwer hat, sein eigenes von der Öffentlichkeit aufgebautes Bild zu erreichen und bei dem die Medien irgendwann feststellen werden, dass er zwar völlig missverstanden, aber eigentlich auch ziemlich langweilig ist. So ist „Grace/Wastelands“ dann auch ein Album auf dem Niveau, dass man von Peter Doherty kennt, passabel mit ein paar netten Songs.

Myspace // Label

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