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Perfume Genius – No Shape

Perfume Genius - No Shape

Seit seinem Debüt „Learning“ hat der Nord-Amerikaner Mike Hadreas, alias Perfume Genius, schon einiges hinter sich. Während es mit den folgenden Alben „Put Your Back N 2 It“ und „Too Bright“ immer weiter Berg auf ging, verlor er sich privat teils in einem Negativstrudel. Er durfte sich zwar über wachsendem Erfolg und breite mediale Berichterstattung freuen, sah sich jedoch auch konfrontiert mit homophoben Anfeindungen und anderweitigen Angriffen auf seine Person, was an seiner Psyche kratzte, die sowieso schon durch seine Morbus Crohn Erkrankung und Probleme mit Drogen geschwächt war. Ein Lichtblick in dieser Zeit war seine langjährige Beziehung. Diese Mischung sorgte dann auch für die positiven Momente in den häufig düsteren und zynischen Texten über häusliche Gewalt, Sexualität, Anfeindungen und den Tod, die Mike Hadreas teils in drückendem Avangarde-Pop und manchmal positiv jubilierend schillernden und doch bedrohlichen Popsongs verpackte.

Auf dem vierten Perfume Genius Album „No Shape“ scheint alles anders. Mike Hadreas blickt positiver auf sein Leben und singt vor allem über seine Partnerschaft und wie sie ihm Halt und Kraft in einer für ihn oft so feindseligen Welt gibt. Ähnlich wie Patrick Wolf es vor sechs Jahren mit „Lupercalia“ tat.

Produziert wurde das Album von Blake Mills (unter anderem Fiona Apple, John Legend und Alabama Shakes), das bedeutet aber nicht, dass sich die Musik nun vollständig im Pop verliert. Wo es nämlich in der Vergangenheit teils popmpös, orchestral aufgetakelt und verquer war, widmet sich Mike Hadreas nun etwas anderen Spielarten. Auf „No Shape“ trifft Avangarde auf frickeligen Kammerpop, fransige Blues-Momente, Club-Beats, Streicher-Balladen und Synthie-Experimente. Meist mit langsamem Tempo und nur seltenen Ausbrüchen. Die meisten davon befinden sich in der ersten Albumhälfte, wie zum Beispiel mit dem ersten Highlight ganz zu Beginn mit dem Opener „Otherside“. Mit ruhigen Pianoklängen, zu denen der Sänger schüchtern und introvertiert, wie auf dem Debüt „Learning“, singt, eröffnet das Stück, das nach etwa der Hälfte mit schillerndem Orchestersound und Chor losbricht, nur um sich dann wieder auf Sänger und Piano zu beschränken, ehe am Ende alle Dämme brechen. „Slip Away“ bietet die angesprochenen Clubvibes. Zu vertrackten Rhyhtmen singt Mike Hadreas ungewohnt fröhlich und lässt im Refrain eine dichte Soundwelle auf den Hörer einprasseln.

„Go Ahead“ ist einer der genannten experimentelleren Momente. Zu langsam pluckernden Beats und verqueren Rhythmen erzählt er hier seine Geschichte. Ein Stück, das schon etwas Geduld erfordert. Leider hat man gerade bei diesem Stück fast das Gefühl, Hadreas möchte ein bisschen zu viel mit dem Song. Da findet sich im Sounddickicht hier noch eine Spielerei, da noch ein Delay und dort noch ein bisschen Hall. Es ist Das fällt aber auf Albumlänge nicht zu schwer ins Gewicht. Es sind nämlich vor allem die leicht pompösen Popmomente,mit etwas vertrackten Strukturen und überraschenden Melodien, wie das druckvolle „Wreath“, das mit wohldosiertem Kitsch daher kommt und die langsamen, reduzierten Balladen, wie „Alan“ und „Die 4 You“, die das Album stimmig wirken lassen und „No Shape“ zu einem überraschenden Wendepunkt im musikalischen Dasein von Perfume Genius machen.


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