Rezensionen

Paul Smith – Margins

„It’s too late to start
For destinations not of the heart“

Dieses Zitat aus „Here“ von R.S. Thomas ziert das Innere von Paul Smith’s Solo-Album. Die Herzensangelegenheit, an die es den Nord-Engländer nach drei Alben mit seiner Hauptband Maxïmo Park führte, war ein eigenes Album. Kein Solo-Album, wie er selbst sagt, sondern ein eigenes Album. Auf diesen Unterschied legt er wert. Vielleicht auch, weil er nicht allein im Studio war, sondern unter anderem mit Peter Brewis von Field Music am Bass und den Percussions und Laura Reid, die auch schon bei „Our Earthly Pleasures“ an den Streich-Instrumenten unterstützte. Die Produktion übernahm sein Freund Andrew Hodson, Mitglied des The Matinee Orchestra. Keine Gastauftritte also von Bandkollegen, wie etwa bei Duncan Lloyd’s Solo-Album „Seeing Double“, für das Tom English hinter den Drums Platz nahm.

Eine bewusste Entscheidung vielleicht, weil er sich mit seinem Sound etwas weiter von seiner Band entfernen wollte. Ganz kann er seine Tätigkeit für Maxïmo Park natürlich nicht vertuschen, schließlich ist er Hauptsongwriter des Quintetts, das heißt, dort schwingt jede Menge Paul Smith mit, das gerade bei eigenen Songs auch einfließt. So klingt auch ohne Band im Hintergrund einiges nach Maxïmo Park. Etwa das rockige „Dare Not Dive“ und „The Crush And The Shatter“. Aber auch seine andere Band Meandthetwins hört man beim ein oder anderen Stück durch, besonders in der Gitarrenarbeit. Dort ist er nämlich für eben diese Arrangements verantwortlich, was man bei seinem eigenen Album besonders bei „Our Lady Of Lourdes“ und „North Atlantic Drift“ heraus hört.

Aber Smith beschränkt sich hier nicht nur gekonnt auf Zitate aus seiner bisherigen Arbeit, sondern schafft es auch neue Facetten zu zeigen. Die, so meint man, zeigen ihn von einer noch persönlicheren und introvertierteren Seite. Wie etwa bei „While You’re In The Bath“, wo er nur von seiner Akustik-Gitarre begleitet einen Song über eine vergangene Liebe vorträgt. Dazu nutzt er geschickt Bilder, die keine Verbitterung über den Niedergang der Liebe zeigen, sondern seine Trauer ausdrücken. Aprorpos Bilder, davon welche zu malen singt er auch in „I Drew You Sleeping“ und passenderweise findet sich zusätzlich zu den Worten „I Drew You Sleeping / As The New Year Came In“ eine Skizze eines schlafenden Mädchens mit den Worten „New Year“ auf der letzten Seite des Booklets.

Nur eine kleine Beobachtung, aber die machen nun einmal auch die Lyrics von Paul Smith aus. Das hört man ganz deutlich bei „The Tingles“ heraus. Ein Song, der am deutlichsten aus einer sehr beobachtenden Haltung geschrieben scheint, was auch im Sound selbst herauskommt, bei dem sein Gesang leicht hallend und hintergründig abgemischt ist. Ein weiteres besonderes Merkmal des Songwritings auf „Margins“ ist die deutlich größere Komplexität und die Disparität im Vergleich zu Maxïmo Park. In jedem Stück zeigt Smith eine neue Seite und auch seine Einflüsse. Es ist wohl auch kein Zufall, dass man in „Our Lady Of Lourdes“ Arthur Russell raus zu hören scheint und der namentlich sogar in „Dare not Dive“ genannt wird, wenn man bedenkt, dass Smith auf der Single als B-Seite eine Cover-Version von „A Little Lost“ veröffentlicht. Am Ende sticht dann noch einmal „Pinball“ heraus, das aus dem Gegensatz aus Ukulele und Cello einen harmonischen und beruhigenden Abschluss von „Margins“ bildet und den Eindruck bestätigt, dass man soeben ein wunderbar stimmiges Album gehört hat – eine Qualitätsmerkmal, das man dieses Jahr bei bereits dem ein oder anderen Sologang eines Sängers vermissen musste.

Rating: ★★★★½
Paul Smith
Paul Smith auf Tour:

05. November, Hamburg, Mondial Club
06. November, Berlin, Becks Music Experience @ Station – FREE SHOW
08. November, München, 59:1
09. November, Heidelberg, Karlstorbahnhof
10. November, Köln, Gebäude 9

Die Single „Our Lady Of Lourdes“ erscheint am 1. November und enthält unter anderem ein Cover von Arthur Russell’s „A Little Lost“

Our Lady of Lourdes by paulsmith

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Discussion

  1. […] sich zusätzlich auch der Einfluss, den die Soloarbeit von Sänger Paul Smith, dessen Solo-Album “Margins” vor rund dreieinhalb Jahren erschien, auf “Too Much Information” gehabt hat. […]

    Posted by Maxïmo Park – Too Much Information | WhiteTapes | Januar 29, 2014, 4:31 pm

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