Rezensionen

Paul Smith and the Intimations – Contradictions

Auf den ersten Blick sind fünf Jahre zwischen zwei Alben schon eine recht lange Zeit, bei der man sich teils zurecht fragt, was denn die Musiker in der Zwischenzeit so alles getrieben haben. Bei Maxïmo Park Frontmann Paul Smith kommen seit dem Release seines ersten Solostreichs „Margins“ dann so viele Veröffentlichungen zusammen, dass die fünf Jahre eher wie ein noch viel zu kurzer Zeitraum zwischen zwei Alben scheinen. Er veröffentlichte nämlich zwei Alben mit Maxïmo Park (die übrigens diesen Herbst zum zehnjährigen Jubiläum ihres Debüts „A Certain Trigger“ einige Sonderkonzerte geben, bei denen sie nur Songs des Debüts und einige B-Seiten spielen werden) und im letzten Jahr dann auch noch das Album „Frozen By Sight“, das er gemeinsam mit Peter Brewis von Field Music aufgenommen hat. Letzterer ist auch schon seit „Margins“ ein häufig gehörter Name im Zusammenhang mit Paul Smith, da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass dieser gemeinsam mit seinem Bruder David als Produzent beim letzten Maxïmo Park Album vertreten war und nun auch Gast auf dem neuen Album „Contradictions“ ist. Dabei handelt es sich übrigens nicht um ein Soloalbum, sondern vielmehr um ein Bandalbum von Paul Smith, weshalb es unter dem Namen Paul Smith and the Intimations erscheint.

The Intimations, das sind (bereits seit „Margins“) im Kern Rachel Lancaster von Silver Fox, Andrew Hodson von Warm Digits und Clair Adams, sowie auf „Contradictions“ Gäste, wie Wendy Smith von Prefab Sprout und eben auch Peter Brewis. Die Stücke auf „Contradictions“ leben von Paul Smiths hoffnungslos romantischer Seite, die auch schon den Hits von Maxïmo Park eine noch größere emotionale Tiefe, sowie eine unvergleichliche Melancholie verliehen hat und die sich wie ein roter Faden durch das Schaffen des Songwriters zieht. In seiner Soloarbeit mit noch offensichtlicheren Andeutungen (daher wohl auch der Bandname „The Intimations“) an Erlebnisse aus seinem Privatleben und seiner Vergangenheit. Das Stück „All The Things You’d Like To Be“ handelt von seinem Großvater. Der hat ihn nie aufwachsen sehen, da er starb, als Paul noch jung war. Paul dazu gegenüber Songwriting Magazine: „the song goes into that and talking to my nana about what he was like. I’m sure he would have asked me what I wanted to be“.

Trotz dieses eher traurigen Themas und der häufig durchaus melancholischen Grundstimmung, ist „Contradictions“ alles andere, als ein trauriges Album. Vielmehr ist es ein sommerliches Werk, das voller Hoffnung steckt. Ein Album also, wie man es von einem hoffnungslosen Romantiker erwarten würde. Gerade der Anfang mit „The Deep End“, „Break Me Down“ und „Reintroducing The Red Kite“ ist näher an Maxïmo Park, als alles, was Paul Smith bisher solo veröffentlicht hat. Das genannte „All The Things You’d Like To Be“ ist ebenfalls ein verspielt sommerliches Stück, das zeigt, dass es Paul Smith auch ohne die Gitarrenkünste von Duncan Lloyd vermag, ein abwechslungsreiches Stück Gitarrenpop zu schreiben. Die zweite Albumhälfte, die durch das kurze Interlude „The Golden Glint“ eingeleitet wird, zeigt sich dann größtenteils etwas zurückgelehnter mit leicht experimentellerer Note. Bis auf den rockigen Ausbruch bei „People On Sunday“ erkundet Paul Smith mit seiner Band in ausgefeilteren Arrangements mit eloquent erzählten Geschichten und allerlei klanglichen Fabtupfern, seine Vorstellung anspruchsvoller Popmusik. Den Spaß, den die Musiker im Studio hatten, merkt man allen Songs an. So fehlt es den in einen leichten LoFi-Dreampop gehüllten Stücken auch nicht an der typischen Infektiösität von Maxïmo Park, der man sich nur schwer entziehen kann.

Paul Smith and the Intimations auf Deutschland-Tour

12. September 2015, Frankfurt – Zoom
13. September 2015, Köln – Gebäude 9
14. September 2015, Leipzig – Täubchenthal Club
17. September 2015, München – Strom
18. September 2015, Berlin – Bi Nuu
19. September 2015, Hamburg – Molotow

Support bei allen Terminen: Devon Sproule

Interview zu „Margins“ // Facebook // Website

Musik von Paul Smith bei Amazon.de kaufen

Archive