Rezensionen

Patrick Wolf – The Bachelor

Eigentlich kaum zu glauben, dass gerade einmal zwei Jahre zwischen „The Magic Position“ und dem neuen Patrick Wolf Album „The Bachelor“ liegen. Zwei Jahre, in denen er von Universal gesignt und wieder fallen gelassen wurde, in denen er mehrmals das Ende seiner Karriere über seinen Blog verkündete und in denen er seine neue Liebe fand. Das alles in einem scheinbar rasenden Tempo, in dem er auch noch das Doppel-Album „Battle“ aufnahm und über Bandstocks Investoren suchte, um einen Release über sein Label Bloody Chamber Music verwirklichen zu können. Seine Fans ließ er auf diese Art so nah an sich heran, wie es wohl kaum andere Musiker machen. Da verwundert er fast nicht, dass „Battle“ sein bisher persönlichstes Album geworden sein soll. Davon kann man sich nun selbst überzeugen, auch wenn er sich auf den letzten Metern nun entschied beide Hälften von „Battle“ getrennt zu veröffentlichen. In Form von „The Bachelor“, das Patrick’s Leben als unglücklicher und an der Welt erkrankter Single betrachtet und in Form von „The Conquerer“, in dem Patrick sein neu gefundenes Glück mit seinem Lebensgefährten William beschreibt.

Chronologisch korrekt wird also „The Bachelor“ zuerst veröffentlicht. Gleich fällt die Bildkomposition des Covers auf, die der von Patrick’s Debüt „Lycantrophy“ doch sehr ähnelt. Das soll sich nicht als Zufall herausstellen, denn nach dem sehr polierten und poppigen „The Magic Position“ besinnt er sich wieder auf sein Frühwerk, das heißt, wenn man bei einem 25 jährigen überhaupt von einem „Frühwerk“ sprechen kann. Zumindest davon, dass er in seiner gerade einmal sechsjährigen Karriere, seit Release des Debüts mehr Facetten von sich, respektive der Künstlerpersönlichkeit Patrick Wolf, zeigte, als es manche Künstler in einer ganzen Karriere nicht schaffen. Da posiert er mal als Dandy mit sauber gekämmtem Scheitel und räkelt sich im nächsten Moment in Lack und Leder durch seine Videos. Kein Zufall, ist er doch auch bekennender Madonna Fan. Auch wenn wir ihn er als die David Bowie des Indie sehen, ist der Vergleich mit Madonna auch nicht so falsch. Musikalisch schlägt er auf „The Bachelor“ deshalb natürlich noch lange nicht in die Pop-Schiene. Eröffnet wird das Album mit dem Song „Kriegspeil“, was wohl die Falschschreibung von „Kriegsspiel“ sein soll, ein kurzes Intro mit Sirenen wie bei einem Luftangriff, die nahtlos in das Intro von „Hard Times“ übergehen. „Hard Times“ zeigt sich mit schweren Geigen, einem dunklen Beat und dem gewohnt tiefem und mitreißendem Gesang Patrick Wolf’s, dessen geforderter Revolution man sich beinahe sofort anschließen möchte. Verdientermaßen wurde der Song auch als erste Single in Deutschland auserwählt und stellt mit tollem Spannungsbogen und bombastischem Chor eindeutig einen der Songs des Jahres dar. Er steigert sich aber noch weiter und zeigt mit dem düsteren „Oblivion“, einen Song von ähnlicher Güte, mit kleinen Elektro-Spielereien, der etwas minimalistischer so auch auf’s Debüt gepasst hätte. Folkiger wird es mit dem Titeltrack „The Bachelor“, der eigentlich den einzigen kurzen Durchhänger des Albums darstellt.

Danach beweist sich Wolf aber direkt bei mit „Damaris“ in einer hinreißenden von Irish-Folk geprägten Ballade mit Gänsehaut erzeugender Atmosphäre. In dem ebenfalls ruhigen „Thickets“ präsentiert sich dann auch das erste Mal Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton mit einem Spoken-Word-Beitrag. Der Song selbst ist eine schöne Ballade geprägt von klagenden Geigen und einer mitreißenden Piano-Melodie. Nach diesen schönen Schauern wird es mit „Count The Casuality“ noch etwas düsterer, Patrick klagt zu einem Elektro-Beat und wird von einem dunklen Chor begleitet. „Who Will“ ist dann die wunderschönste Ballade des Albums, eine Orgel untermalt Patrick’s Gesang, in der Folge gesellen sich noch ein pochender Elektro-Beat und ein ganzer Chor hinzu. Das alles steigert sich zu einem einmal mehr Gänsehaut erzeugenden Finale. Der Wechsel zwischen Balladen und Elektro-Songs ist auf „The Bachelor“ so konsequent durchgezogen, dass ein Dance-Song wie „Vulture“, bei dem Wolf von Alec Empire untersützt wird, nach einer Ballade kein Stück stört. Vielmehr sorgt das für die zusätzliche Abwechslung und erzeugt eine extrem dichte und spannende Gesamtatmosphäre. In jedem Ton zeigt sich die völlige Hingabe von Patrick Wolf an seine Musik. Kein Ton ist zuviel, jeder Flöteneinsatz perfekt getimed und über die Gesangsleistung von Patrick Wolf müssen wir wohl gar nicht mehr philosophieren. Das macht in der Summe der Teile das bisher stärkste Patrick Wolf Album, mit wunderschönen, herzzerreißenden Balladen und düsteren Elektro-Krachern. So sind wir natürlich nur um so gespannter, wie er mit „The Conquerer“ nach diesen 14 Stücken noch eins draufzusetzen vermag. Sorry, nicht einfach nur 14 Songs, sondern 14 mit „Album des Jahres“ Charakter.

Rating: ★★★★★
Patrick Wolf

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