Rezensionen

Patrick Wolf – Sundark and Riverlight

Patrick Wolf - Sundark and Riverlight

Es kommt bei jedem Künstler einmal die Zeit, da blickt er auf sein Wirken zurück. Manche beginnen dann daraus Lehren für ihr künstiges Schaffen zu ziehen oder noch einmal neu zu interpretieren. Johnny Cash machte das mit knapp 70 nach ca. 50 Jahren als Musiker mit einem Albumzyklus, seinen American Recordings. Der Süd-Londoner Patrick Denis Apps, den viele wohl besser als Patrick Wolf kennen, nahm sich nicht ganz so viel Zeit. Er wird nächstes Jahr gerade einmal 30 Jahre alt, kann aber auch schon auf zehn Jahre als Recording Artist zurückblicken.

Deshalb entschloss er sich nun auch zu seiner ganz eigenen Werkschau, bei der er seine Lieblings-Songs aus zehn Jahren neu aufnahm. Dafür zog er sich ins Studio von Peter Gabriel zurück und nahm alle Stücke im rein akustischen Gewand auf. Gegenüber dem NME sagte er dazu: „This project started when I realised I had reached a 10 year jubilee as a recording artist… As a songwriter I realised that some songs take on a life of their own once released. I never knew that “Paris” from Lycanthropy would become such an anthem for my crowd.“

Das 16 Songs umspannende Doppel-Album besteht aus zwei Hälften, die vom typischen Schwarz-Weiß der Songwelt Wolf’s leben. Auf „Sundark“ zeigt er Songs, die er als einsamer und dunkler empfindet, „Riverlight“ wiederum enthält Songs voller Hoffnung und Gemeinschaftlichkeit. Ein wenig also, wie der „Solitary Man“ aus Kingsland, Arkansas. Die Stücke produzierte Wolf ganz allein mit analogem Equipment. Etwas, das er schon immer tun wollte.

Die Neuinterpretationen zeigen dann in der ersten Hälfte wirklich einen ruhigen, in sich gekehrten Musiker, der die Songs mit starker Stimme vorträgt. Etwas, das besonders bei älteren Stücken, wie „Wind In The Wires“ auffällt, deren Gesangslinien Wolf rückblickend nicht wirklich gut gelungen fand. Aber auch neuere Stücke, wie „Hard Times“ haben es auf die erste Hälfte geschafft. Im Gegensatz zum Großteil des Albums schrieb er das Stück mit der kanadischen Songwriterin Buffy Sainte-Marie um, die er in Paris kennenlernte. Hier schließt sich dann auch wieder der Kreis zu Cash, trat die Kandierin doch unter anderem in der Johnny Cash Show auf. Aber den Man in Black lassen wir jetzt ganz außen vor und kümmern uns ganz um Wolf. Trotz Limitierung auf reine Akustik-Instrumente schafft er es nämlich oft genug auch ordentlich Drive in die Songs zu bekommen. So zeigt sich „The Libertine“ auch ohne E-Gitarre als druckvolles Stück mit viel Energie.

Auch „Hard Times“ behält dank Geigen und dem starken gesanglichen Ausdruck von Wolf seine Power. Gemeinsam mit „The Libertine“ und auch „Oblivion“ zeigt sich die dunklere Albumhälfte dann sogar als die etwas temporeichere. Der größte Teil von „Riverlight“ zeigt Wolf dann nämlich stark reduziert. Teils sogar nur bis auf Klavier und Gesang, wie über weite Teile im Stück „London“. Auch die schillernde Popsingle „House“ ist zu einer ruhigen, fast besinnlichen Hymne auf’s Zuhause geworden. Das macht den Gegensatz der beiden Albumhälften aber noch deutlicher und „Sundark and Riverlight“ zu einer mehr als runden Sache, die mit „Wolf Song“ einen ebenfalls  mehr als würdigen Abschluss findet. Und eines dürfte spätestens nach dieser Werkschau sicher sein, bei Patrick Wolf wissen Fans nie, was als nächstes kommt und das dürfte auch die nächsten zehn Jahre mit dem Songwriter höchst interessant machen.


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Patrick Wolf Solo-Akustik-Tour:

18.10.2012 Berlin, Passionskirche
19.10.2012 Köln, Kulturkirche

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Discussion

  1. […] ist es wieder soweit. Ein gutes Jahr nachdem der mittlerweile 30 Jahre alte Patrick Wolf mit “Sundark and Riverlight” seine persönliche Werkschau zu seinem zehnten Release-Jubiläum veröffentlichte, kommt er wieder […]

    Posted by BEENDET!! Verlosung: Patrick Wolf – 2×2 Karten für Konzert in Bochum | WhiteTapes | Januar 20, 2014, 5:45 pm

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