Rezensionen

Patrick Wolf – "Lupercalia"

Vor etwas mehr als zwei Jahren rief Patrick Wolf zu einem großen Projekt auf. Er wollte ein Doppel-Album aufnehmen, das auf den Namen „Battle“ hört. Finanziert werden sollte es über Bandstocks. Eine Plattform, bei der Investoren und Fans Anteile an einem Album kaufen können, das Werk so finanzieren und später aus dem Gewinn, den das Album abwirft, im besten Fall Profit erwirtschaften. Im Laufe des Projekts änderten sich die Gegebenheiten und Patrick entschloss sich zunächst dazu mit „The Bachelor“ (hier zu unserer Review) erst einmal nur die erste Hälfte des Albums zu veröffentlichen. Der Release der zweiten Hälfte „The Conquerer“ schien da bereits in Reichweite und sollte maximal innerhalb eines Jahres das Doppelalbum „Battle“ vervollständigen.

Private Erfahrungen, Erlebnisse auf Tour und Selbstreflektion führten Patrick aber zu dem Entschluss „The Conquerer“ erst einmal zu den Akten zu legen und ein ganz anderes Album aufzunehmen. „Battle“ ist für ihn Geschichte, denn der Kampf ist ausgefochten und etwas entscheidendes hat sich geändert. Er ist nicht mehr nur verliebt, wie er es schon auf „The Conquerer“ verarbeiten wollte, er ist zufrieden und glücklich in einer Beziehung. Er erlebt die Liebe und möchte dieses Gefühl mit seinen Fans teilen. Böse Stimmen behaupten, die Liebe schade der Kunst und verkläre sie zu Kitsch. Wie John Lennon es dennoch schaffte Songs wie „Imagine“ und „Isolation“ zu schreiben, als er glücklich mit Yoko One zusammen war, wird diesen Kritikern wohl immer ein Rätsel sein. Und dass die Aktionskünstler Christo und Jeanne-Claude neben beeindruckenden Projekten auch noch für ihre lange Ehe bekannt sind, ist diesen Kritikern vermutlich auch ein Dorn im Auge.

Mit „Lupercalia“ hat Patrick Wolf nun auf seinem fünften Album auch eine Widmung an die Liebe geschrieben. Schon der Albumtitel leitet sich von einem altrömischen Fest zu Ehren der Liebe ab und auch in den Songs findet sich dieses Motiv immer wieder. Wie er im Interview mit uns bereits treffend erklärte, verarbeitet er diese „mit allen Facetten und der gesamten Komplexität. Insbesondere, wenn du in einer langen Beziehung die Liebe erlebst, versteht man die Themen des Albums. Dazu gehört auch Trauer und das Liebe dich auch so viel Kraft kosten kann, wie du aus ihr schöpfen kannst. Also ja, es ist ein Album über die Liebe mit viel Fröhlichkeit, aber sicherlich auch einer gewissen Note Traurigkeit, oder Sentimentalität.“ Der Künstler, der sich immer am Abgrund bewegte, von der Verwandlung in einen Wolf, seiner schweren Kindheit, den Misshandlungen, die er durchmachen musste und der Zeit, als er von zu Hause wegging erzählte, scheint nun seine Kunst mit Kitsch zu verklären.

Das genaue Gegenteil ist jedoch der Fall. Patrick Wolf macht das, was er immer am besten konnte, er erfindet sich wieder einmal neu und lässt sich von seinen Emotionen zu Höchstleistungen beflügeln. Natürlich gehören zu großen Gefühlen auch große Gesten und so ist auch schon der Opener „The City“ eine Verneigung vor dem 80er Jahre Pop. Am ehesten lässt sich der Sound mit dem auf seinem dritten Album „The Magic Position“ vergleichen. Nun aber noch positiver angereichert und so euphorisch, dass der Hörer in der Tat ein wenig vom Glück des Künstlers spüren kann. Auch „House“ kommt mit großer Piano-Melodie daher und fesselt mit einem hitverdächtigen Refrain. Auf „Lupercalia“ ist nicht nur das Thema groß, sondern auch die Instrumente, da gibt es dann auch mal Trompeten, Geigen, ein Saxofon und eine Harfe. Und natürlich einen Chor, wie etwa am Ende von „The Future“, den man sonst vielleicht so von einem Chris Martin erwartet hätte.

Mit diesen Zutaten strickt Patrick abwechslungsreiche Pop-Songs mit viel Seele und Herz. Alle schillern bunt wie die Liebe und beweisen, dass die Liebe der Kunst nicht im Weg steht, sondern diese immens bereichern kann.

Das Album im Webwheel hier und bei Facebook

Rating: ★★★★★

Patrick Wolf

Lupercalia

Patrick Wolf

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