Rezensionen

Patrick Watson – Love Songs For Robots

Patrick Watson – Love Songs For Robots

Wenn der Kanadier Patrick Watson, mit seinem gleichnamigen „mal Band, mal solo Projekt“, eines drauf hat, dann ist es, den Hörer seiner Musik in neue Klangwelten zu entführen, in denen neue Sounds und Eindrücke auf einen warten, die man sich auf diese Art vielleicht niemals zu Gemüte geführt hätte. Eine Herangehensweise, die der klassisch ausgebildete Pianist auf seinem vierten Album „Adventures In Your Own Backyard“ perfektioniert hat. Dem Titel getreu war das Album eine abenteuerliche Reise. Zwar nicht durch den eigenen Hinterhof, aber zumindest durch das eigene Kopfkino, für das Watson schon immer perfektes Futter liefert. Mit „Love Songs for Robots“ veröffentlicht Patrick Watson sein nunmehr fünftes Album innerhalb von 15 Jahren. Ein Album, auf dem Watson sich Gedanken um menschliche Emotionen macht und wie diese teils nur wie mechanisch vom Körper abgerufen werden. So sagt er selbst: „As I get older you get to know yourself better and I realized that a lot of my emotional reactions were mechanical responses and that was hugely influential. I didn’t want to be a robot. But the reason why we are superior to computers is that we have emotions and I realized that emotions are mechanical so the only thing left between us and robots is curiosity and inspiration – and I don’t think you can program that into a computer.“

Ein beinahe philophischer Ansatz, der jedoch zu Patrick Watson passt, sucht er sich doch immer ein übergeordnetes Thema für seine Alben. Auch, wenn der Titel recht klinisch und technisch anmutet, ist die Musik auf „Love Songs for Robots“ alles andere als das. Den Überlegungen zu Emotionen folgend, ist das Album deutlich fragiler, als Watson’s bisheriger Output. Schon der Opener kommt sanftmütig daher und nimmt einen mit viel Gefühl und einer berührenden Melodie gefangen. Dabei beweist Patrick Watson vor allem, dass man für fragile, gefühlvolle Songs keinen Kitsch, keine Geigen, oder betroffenen, gefühlsduseligen Gesang benötigt. Watson setzt auf luftige Klänge, tänzelnde Klaviersounds, geisterhafte Synthies und ein wenig Hall. Diese Elemente ergeben anmutige Songs, wie das einzigartige „Good Morning Mr. Wolf“ mit seiner jaulenden Gitarrenmelodie, die in schillernden Farben erklingt und vor Hoffnung erstrahlt. Oder das einfühlsame „Alone In This World“, bei dem Einsamkeit zwar das übergeordnete Thema ist, das aber Unmengen ungetrübter Hoffnung in sich trägt und ein ebenso zeitloser Patrick Watson Klassiker werden könnte, wie der beinahe vergnügte Albumcloser „Places You Will Go“. Ein leicht aufbrausender Song, der das Album mit einer mehr als versöhnlichen Note und der Gewissheit, dass Emotionen weit mehr, als nur mechanische Reaktionen sind, beendet.

Patrick Watson live

15. Mai 2015, Berlin – Grüner Salon

Patrick Watson – Video zu „Places You Will Go“

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Photo by Mathieu Parisien

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