Rezensionen

Patrick Richardt – So, wie nach Kriegen

Patrick Richardt - So, wie nach Kriegen

Mit Referenzen ist das ja manchmal so eine Sache. Es gibt Menschen, die treffen mit ihren Vergleichen und Beschreibungen voll ins Schwarze. Eins Live gehört dazu. Zumindest bei Patrick Richardt. Ihn stellten sie mit den Worten:Patrick Richardt liegt musikalisch irgendwo zwischen Tim Bendzko und Clueso. Er war mit Tomte und Kettcar auf Tour und spielt nebenbei noch in der Band Oh, Napoleon“ vor. Zwei Sätze, die gleich den gesamten Soundkosmos des jungen Krefelders passend zusammenfassen. Dann gibt es auch Beschreibungen, die liegen voll daneben, so etwa ausgerechnet sein Label GHVC, das Patrick als Elliott Smith von Krefeld und Randy Newman von der Ruhr beschrieb. Auf die Aussage, dass Patrick mit Elliott so viel gemein habe, wie Jeff Buckley mit Michael Jackson relativierte GHVC, Patrick sei eben Krefeld und Elliott Smith die Welt und man habe den Vergleich gewählt, damit mehr Leute sich auch wieder etwas mehr mit dem Amerikaner beschäftigen. Dass diese ziemlich enttäuscht sein dürften, wenn sie sich auf diesen Vergleich hin vornehmen Smith kennenzulernen und etwas völlig anderes geboten bekommen, als bei Patrick Richardt sei einmal dahingestellt. Beschäftigen wir uns lieber mit Richardt selbst.

Der Krefelder spielt in seinem anderen Leben in der Indie-Pop-Truppe Oh, Napoleon und hat sich dort bereits einen Namen mit zuckersüßen Melodien gemacht, die hohe Radiokompatibilität und dennoch einen gewissen Indie-Charme haben. Mit „So, wie nach Kriegen“ ist Patrick Richardt nun solo unterwegs und veröffentlicht sein erstes Album. Damit ist er nun auf dem Hamburger Kultlabel Grand Hotel van Cleef gelandet. Wir wurden Ende 2012 auf den Songwriter aufmerksam und waren aufgrund der wirklich gut gemachten Teaser-Videos zu „So, wie nach Kriegen“ wirklich gespannt auf das Album. Die Videos zeigten einen Musiker, der trotz poppigem Ansatz der Musik in knapp einminütigen Videos viel Atmosphäre erzeugte und einen interessanten musikalischen Ansatz bot. Nun liegt „So, wie nach Kriegen“ vor und können was die Referenzen betrifft wie Eingangs erwähnt Eins Live mit Tim Bendzko und Clueso voll zustimmen. Beides smarte Jungs, die einen Hang zur großen Geste und durchaus ein Händchen für eingängige Melodien haben. Wenn sie im Radio laufen sind sie durchaus ein Lichtblick zwischen den Lana del Reys, Birdys und Psys dieser Welt darstellen.

Richardt besitzt einen ähnlichen Ansatz. Seine Songs sind selten spärlich instrumentiert, sondern bieten einen vollen Bandsound aus Gitarre, Schlagzeug, Piano, Bass, der gern auch mit Streichern angereichert wird. Einen Hang zur großen Geste kann man ihm auch nicht absprechen. Vielmehr schwingt er sich mit seiner Band nach ruhigem Intro stets auf und zelebriert mit Songs über alltägliche Themen große Gefühle mit viel Pathos. Dabei schreckt er leider nicht vor einer häufig recht schnulzigen Note zurück, die vor allem durch seine Stimmlage und -farbe erzeugt wird. Störend ist leider auch, dass er mit seiner Stimme gerne in eine recht nölige Tonlage verfällt, wie es deutsche Indie-Sänger gern mal tun. So wird aus „Milliarden“ dann „Milljohrden“, aus „Tagen“ wird „Toagen und aus „Herz versagt“ „Herz versoagt“.

Beinahe charmant ist dann, wenn man in Richardt’s Songs Referenzen an bekannte Klassiker erkennt. So erschlägt einen im Refrain von „Ade, Ade“ die Ähnlichkeit zum Refrain von „Father and Son“. Aber Richardt setzt das clever ein, so dass sich hier ein gewisser Charme nicht absprechen lässt. Insgesamt schafft Patrick Richardt es auf „So, wie nach Kriegen“ leider zu selten den Spagat zwischen Schnulze und gefühlvollem Popsong zu schaffen und hat ein Debüt geschaffen, das man trotz wirklich vielversprechender Ansätze des Musikers, unmöglich an einem Stück hören kann, ohne überzuckert zu werden.


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