Rezensionen

Palma Violets – 180

Palma Violets - 180

Das mit den Trends im Indie ist ja so eine Sache. Die kommen und gehen ebenso, wie die Bands, die sie kreieren. Wenige Bands überleben dabei wirklich die Welle, mit der sie an die Öffentlichkeit kamen. Die letzte Welle aus England, die wirklich Bands hervorgebracht hat, die auch heute noch eine Rolle spielen, dürfte 2005 mit Maxïmo Park, Bloc Party und Franz Ferdinand und etwas später auch Arctic Monkeys gewesen sein. Seitdem gab es vor allem viele kleine Erscheinungen, die aber schnell wieder weg schienen. So auch der Retrotrend, bei dem sich Bands fleißig in 50ies Rock, Rockabilly und 60ies Pop bedienten. Bands wie The Crookes und The Vaccines waren plötzlich überall, warfen den Sound bei Erreichen einer gewissen Popularität aber bei ihren nächsten Alben direkt wieder über den Haufen. Das hatte dann auch sehr den schalen Beigeschmack einfach nur einen schnellen Trend mitgemacht haben zu wollen, um etwas Bekanntheit zu erlangen. Einzig Frankie & The Heartstrings aus dem Nordosten Englands merkte man auf ihrem Debüt „Hunger“ die Liebe zu den verabeiteten Sounds an und so kann man eigentlich recht sicher sein, dass die Band auch in Zukunft ihren Sound nicht komplett über den Haufen werfen wird, um plötzlich schnöden britischen Indie-Rock zu spielen.

Dass die Retrowelle auch noch immer nicht ganz abgeebbt zu sein scheint, zeigen derzeit auch blutjunge Bands, wie The Strypes aus Irland, bei denen es sich um ein paar Teenager um die 15 handelt, die in diesem Jahr ihr Debüt veröffentlichen. Vorher können wir uns aber auch schon über das Debüt der Retro-Punks von Palma Violets freuen. „180“ heißt das Debüt der jungen Band aus dem Londoner Stadtteil Lambeth. Die Presse sprang schnell auf den Hypezug auf und so kürte der NME nur ein Jahr nach Gründung der Band deren Debüt-Single „Best Friend“ zur Single des Jahres 2012.

Die Erwartungen an die Band sind dann auch ebenso groß, wie die Referenzen, bei denen Kollegen gern Arctic Monkeys, The Libertines, The Strokes, The Jam, The Clash, Sex Pistols und The Velvet Underground heranziehen. Und ja, auch wenn Palma Violets gerade einmal um die 20 sind, spielen sie einen Sound, der wunderbar an die Jahrzentewende um 1980 erinnert. Wahrscheinlich wurden sie von ihren Eltern mit dieser Musik sozialisiert und man meint auch dem Quartett um Sänger Sam Fryer und Bassist Chili Jeson die Liebe zum britischen Punk bei jedem Song anzumerken. Die Stücke verneigen sich tief vor den großen Idolen und sind mit viel Spielfreude und Leidenschaft vorgetragen. Egal, ob urbritisch, oder auch mit Surf-Rock-Anleihen angereichert, die Stücke wollen vor allem eines, nämlich Spaß machen. Palma Violets möchten nicht der heißeste Scheiß sein, sie scheinen einfach Party machen zu wollen. Dafür liefern sie elf gut gemachte Stücke, die nicht versuchen, mehr zu sein, als sie sind. Das macht das Album so charmant und einem tollen Begleiter für die Partynacht. Ob es zu mehr reicht und wir den Namen Palma Violets auch noch hören werden, wenn der Hypezug mal an Tempo verliert, steht natürlich auf einem anderen Blatt Papier.

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