Rezensionen

Owl John – „Owl John“ (s/t)

Owl John

Eineinhalb Jahre sind nun schon wieder seit dem letzten Frightened Rabbit Album „Pedestrian Verse“ vergangen, das die Band im zehnten Jahr ihres Bestehens veröffentlichte. Vorangegangen war mit drei Jahren die längste Zeit zwischen zwei Alben der Band und der Wechsel zu einem Major Label. Erstmals war auch das Line-Up der Band identisch zum Vorgänger, was jedoch nicht lange halten sollte. Denn nach der langen Pause erlebten die Schotten eine vergleichsweise turbulente Zeit.

Nach dem Release war die Band um Frontmann und Bandgründer Scott Hutchison eigentlich unentwegt auf Tour und wuchs live zu einem Sextett mit Simon Liddell von Olympic Swimmers an. Was zunächst wie eine Erweiterung der Band aussah, war dann jedoch eher so etwas wie eine Probezeit für Simon.

Kurz nach Abschluss der letzten Tour zum Album im Frühjahr 2014 gaben Frightened Rabbit nämlich bekannt, dass Gordon Skene, der 2010 erst zur Band gestoßen war, diese wieder verlässt. In der Folge wurde Simon als festes Mitglied bezeichnet. Probezeit bestanden.

Zwischen den ganzen Touren hat es Frontmann Scott sogar noch fertig gebracht der Liebe wegen in die USA zu ziehen und auch noch sein erstes „Soloalbum“ unter dem Namen Owl John aufzunehmen. Genau genommen ist der Begriff „Soloalbum“ hier jedoch irreführend, denn das Frightened Rabbit Debüt war seinerzeit ebenfalls eine Art Soloalbum, der als Soloprojekt gestarteten Band. Hinzu kommt auch noch, dass Owl John mit der Besetzuung aus Scott Hutchison, Andy Monaghan und (eingangs erwähntem) Simon Liddell drei Fünftel der aktuellen Besetzung von Frightened Rabbit sind. Das schlicht „Owl John“ betitelte Album wurde auf der Isle of Mull aufgenommen und ist für Scott ein Ventil, die letzten zehn Jahre mit seiner Hauptband und vor allem das letzte, extrem Arbeits-reiche, Jahr zu verarbeiten.

Gegenüber Interview Magazine sagte er beispielsweise: „In the last year, I felt very trapped. My mental and physical health were both suffering because of over-touring. I was committed to a tour, and I had to play the shows, but I didn’t actually want to. ‘Owl John’ focuses on the bare bones of his craft.“. Ob ein neues Album, mit einer weiteren Tour, unbedingt das Heilmittel dafür ist, sei einmal dahingestellt. Er führt jedoch weiter aus, dass „the aim of making it was to feel more excited about getting back into Frightened Rabbit.“. Da bereits wieder einige Frightened Rabbit Konzerte feststehen, scheint dieser Plan funktioniert zu haben.

Doch ist „Owl John“ mehr, als nur die Selbsttherapie eines müden Musikers. Es ist auch ein Experiment eines Künstlers, der sich über zehn Jahre selbst immer von seiner Band hat gefangen nehmen lassen und der nun ausbricht und einen anderen Weg beschreitet. Ohne Druck, einen bestimmten vorgeschriebenen Sound und vorher geschriebenes Material, ging er für zwei Wochen mit nur zwei anderen Musikern ins Studio und hat einfach die kreative Energie fließen lassen. Herausgekommen sind zehn Songs, die wohl die persönlichste Seite von Scott seit „Midnight Organ Fight“ zeigen und weniger direkt und euphorisch klingen, als Frightened Rabbit Songs. „Hate Music“ etwa gibt einen tiefen Einblick ins Seelenleben. „I didn’t really want to be in a band anymore by the end of last year and this song deals with that feeling“ sagt er gegenüber Q Magazine und drückt seine Gefühle im Song mit düsterem Stoner-Rock-Sound und einem fetten Gitarrenriff aus, das so wohl nicht bei seiner Hauptband zu hören wäre. In Songs, wie „Stupid Boy“ und dem großartigen und berührenden „Los Angeles Be Kind“ dokumentiert er seine Hassliebe zu seiner neuen Heimat Los Angeles, in der er sich zunächst extrem fremd und deplatziert fühlte. Eine zunächst bittere Erfahrung, die sich in die vielen traurigen, verzweifelten und verbitterten Geschichten auf „Owl John“ einreiht.

Musikalisch klingt das erste Owl John Album eine Spur experimenteller, elektronischer und vielleicht auch amerikanischer, als die Frightened Rabbit Alben, wobei letzterer Einfluss nie ganz wegzuwischen ist, schließlich blickt Scott auf zehn Jahre in der Band zurück. Jedoch mit intimerer Note, die durch die im Vergleich zu den letzten Frightened Rabbit Alben weniger aufwendige Produktion entsteht. Vergleichbar mit dem LoFi-Sound des Debüts, wo es auch noch ein wenig rauschte und knackte. Vom Sound her lässt sich „Owl John“ am ehesten als Album eines mürrischen Schotten beschreiben, der unter der rotglühenden Abendsonne Kaliforniens Folksongs zum besten gibt. Die Briten von New Desert Blues haben mit so ähnlichen Einflüssen mit „Noir-Americana“ auf ihrer Debüt-EP „Devil’s Rope“ einen recht gut passenden Genrenamen gefunden.

Owl John – Video zu „Red Hand“


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