Rezensionen

Owl City – Ocean Eyes

Bis 2005 war Death Cab For Cutie Frontmann Ben Gibbard zusammen mit Jimmy Tamborello als The Postal Service aktiv. Zusammen veröffentlichten beide ein Album, mehrere Singles und hatten unter anderem den Hit „Such Great Heights“. Kürzlich, als ich bei der Arbeit einmal wieder gezwungen war, Eins Live zu hören, dachte ich für einen Moment, das Duo hätte sein Projekt nach fünf Jahren endlich wieder belebt. Es lief ein Song namens „Fireflies“, in dem Indie Rock und Electro Pop mit verträumter Melodie und Autotune-Gesang eine wohlklingende Ehe eingehen. Ein Song, der inzwischen zum meist gespielten im deutschen Radio geworden ist und Adam Young zu einem Hit in Deutschland verholfen hat. Adam Young? Das ist ein junger Amerikaner aus einer Kleinstadt in Minnesota, der allein in seinem heimischen Kellerstudio als Owl City Songs in die weite Welt geschickt hat. Dort stehen Keyboards, Synthesizer, ein Laptop und vielleicht auch das 2003er The Postal Service Album „Give Up“.

Mit seiner „Peachy Music“, wie er sie selbst nennt, erreichte er zunächst über Myspace die weite Welt und tauschte mit einem Plattenvertrag in der Tasche seinen Job als UPS-Kurier und Cola-Kistenschlepper gegen Auftritte in Morgensendungen und auf großen Bühnen. „Cheesy“ wäre vielleicht die treffendere Beschreibung für diese Musik. Young dehnt die Vokale mit seiner Flüster- / Schmeichelstimme und unterlegt sie mit je nach Laune fröhlichen, oder verträumten Electronica-Melodien. Alle zwölf Songs auf „Ocean Eyes“ funktionieren dabei nach dem gleichen Schema, das sich wie folgt zusammenfassen ließe: magst du „Fireflies“, magst du auch das gesamte Album. Zumindest funktionieren sie alle nach dem beschriebenen Schema. Die Variation liegt dabei im Detail, in Fingerschnippen oder Wechsel von Tonart und Tempo. Nur wird selbst der durchschnittliche Eins Live Hörer etwas mehr Variation verlangen, als Adam Young mit „Ocean Eyes“ zu bieten vermag. Den Plagiatsvorwurf werden diese nicht formulieren, da The Postal Service in Deutschland den Wenigsten ein Begriff sein dürfte, dennoch wirkt ein Song, wie „Hello Seattle“ schon beinahe so, wie eine Herausforderung an Sub Pop, bei denen 2003 das The Postal Service Album „Give Up“ erschien. Also, leider kein The Postal Service Comeback, dafür ein Hit in zwölffacher Ausfertigung, da bleibt eigentlich nur eine Empfehlung, wer drauf steht, soll sich die wirklich tolle Single „Fireflies“ runter laden und sich dann das Werk von Ben Gibbard und Jimmy Tamborello zulegen.

Rating: ★★☆☆☆
Owl City
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Owl City auf Tour:

27. Februar, Köln, Werkstatt (mit Lights)
28. Februar, München, 59 to 1 (mit Lights)
01. März, Berlin, Magnet (mit Lights)
12. Mai, Köln, E-Werk (mit A Fine Frenzy)

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