Rezensionen

Owen Pallett – In Conflict

Owen Pallett -  In Conflict

Mehr als neun Jahre ist es jetzt schon her, dass der Kanadier Owen Pallett mit „Has a Good Home“ sein Debüt als Final Fantasy veröffentlichte. Darauf präsentierte er einen Sound, der wundersam anders war. Pallett mischte Gesang mit geloopter Geige und zeigte mit diesen einfachen Mitteln eine riesige Bandbreite, die zwischen Pop und Kammermusik hin und her sprang. Der Klassiker „This Is The Dream Of Win and Regine“ zeigte dabei unter anderem, dass der anspruchsvolle Sound des Kanadiers zu gehörigem Popappeal fähig ist.

Seit „Has A Good Home“ ist viel passiert. Pallett war als Verantwortlicher für die String-Arrangements nicht ganz unschuldig am bahnbrechenden Erfolg von Arcade Fire, arbeitete unter anderem am ersten Album der The Last Shadow Puppets mit, legte 2010 seinen Künstlernamen ab und veröffentlichte mit „Heartland“ sein erstes Album als Owen Pallett.

Sein bisher größter Wurf, nachdem Pallett endlich mehr war, als nur Mitglied des erweiterten Arcade Fire Kollektivs und String-Komponist für Robbie Williams, The National, Pet Shop Boys, R.E.M.. und mehr.

Im letzten Jahr folgte dann eine Oscar-Nominierung für die Arbeit am Soundtrack zu „Her“ von Spike Jonze. Damit gehen dann natürlich auch große Erwartungen für sein neuestes Album einher. Nicht allein deshalb ging er gewohnt perfektionistisch an die Arbeit. Nachdem „In Conflict“ zunächst in Island aufgenommen wurde, verwarf er wieder alle Aufnahmen und ließ es ein zweites Mal in einer live to tape Session in Montreal einspielen.

Die Songs für „In Conflict“ erprobte Pallett schon seit 2011. Acht Songs spielte er bei verschiedenen Gelegenheiten, bevor er sie im Studio unter anderem mit einem nicht ganz unberühmten Mann einspielte. Dieser ist niemand geringerer als Brian Eno, der die Backing-Vocals überall auf dem Album singt, Synthesizer auf „The Riverbed“ und Gitarre auf dem Titeltrack „In Conflict“ spielt.

„In Conflict“ ist ein vor kunstvollen Ideen übersprudelndes Album geworden, das zwischen Opulenz und Reduktion hin und her tänzelt. Ausgefeilte Arrangements treffen auf das untrügliche Melodiegespür von Owen Pallett und klassische Orchesterlemente auf moderne Poparragements. Sein viertes Album ist Pallett’s bisher ambitioniertestes Werk, auf dem er neben großer musikalischer Finesse auch eine enorme textliche Tiefe zeigt. Owen Pallett singt über die Persönlichkeiten, die man im Laufe des Lebens, in einzelnen Stadien und Situationen in Beziehungen jeglicher Art von sich selbst zeigt. Sei es, dass man merkt, dass seine Heimatstadt sich verändert hat und man sich selbst mit ihr und weder das eine, noch das andere gut findet. Sei es, dass man einen großen, tiefen, Kinderwunsch hegt, dies mit den jetzigen Umständen aber niemals umsetzbar sein wird, weil ein homosexuelles Paar, von dem einer Musiker und viel unterwegs ist, in Montreal nicht mal eben 4 Kinder adoptieren kann.

Owen Pallett macht deutlich, dass das ganze Leben aus Beziehungen und Transformation besteht. Über die Transformationen zu all diesen ICHs, die man durchlebt und die man manchmal auch erst selbst in einer Situation das erste Mal von sich kennen lernt, lernt der Hörer im besten Fall etwas über sich selbst, ganz sicher allerdings über Owen Pallett selbst. Etwas, das ihm wichtig schien, denn ein Musiker ist ein realer Mensch und kein Produkt. Und trotzdem sagt er in einem Interview mit Stereogum, dass der größte Unterschied zu seinen vorigen Platten eigentlich der sei, dass er am Ende nicht stirbt. Musikalisch setzt Pallett das Alles mit hoher Vielfalt um.

Im synthie-geschwängerten Titeltrack „In Conflict“ etwa sanft fließend und mit viel Gefühl. „Song For Five & Six“ bietet eine berauschende Keyboard-Melodie zu der sich Pallett teils stimmlich emporschwingt. Größtes Highlight dürfte dann wohl „The Riverbed“ sein. Ein druckvolles Stück mit Anleihen an Rockmusik mit bedrohlicher Soundwand gegen die Pallett mit starker Stimme ansingt. „In Conflict“ ist ein Album voller Ideen und mitreißender Melodien, mit Pallett’s bisher persönlichsten Texten, das dazu beitragen dürfte, dass sich der Weg des Kanadiers auf immer größere Bühnen in Zukunft fortsetzen wird.

Owen Pallett live

25. Mai 2014, Berlin, Volksbühne

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