Rezensionen

Owen Pallett – Heartland

Schade eigentlich, dass Owen Pallett pünktlich zu seinem dritten Album seinen Namen Final Fantasy abgelegt hat, denn „Heartland“ ist eine Fantasy-Geschichte erster Güte. Erzählt wird die Geschichte eines Farmers namens Lewis, der sich seines Schöpfers, Owen genannt (und wohl eine ziemlich offensichtliche Anspielung), bewusst wird, seine Frau tötet, sein Kinder verlässt und sich auf eine Reise durch eine imaginäre Welt macht, um seinem Schöpfer zu begegnen. Aus der Sicht von Lewis, der laut Pallett eine Mischung aus vielen Menschen ist, die er bewundert und begehrt, werden alle Geschehnisse auf „Heartland“ erzählt und so nimmt ab der ersten Minute ein großer Songzyklus seinen Lauf. Wer das Schaffen von Owen Pallett in der Vergangenheit verfolgt hat, weiß natürlich auch, dass diese Erzählungen vor schrägen Ideen, Witz, Anspielungen und Referenzen nur so überquellen. Das alles herauszufiltern und zu analysieren würde vermutlich ein ganzes Buch füllen.

Geschrieben hat Pallett die Songs über einen längeren Zeitraum – manche, wie „Flare Gun“, sogar schon lange bevor es die Idee für ein drittes Album überhaupt gab – aber in kurzer Zeit in Tschechien, auf Island und in Prag sogar mit einem Orchester eingespielt. Dabei ist ein Album entstanden, das man umschreiben könnte als ein Elektro-Album, das beinahe komplett mit klassischen Instrumenten eingespielt wurde. Wesentlicher Bestandteil ist nach wie vor das Geigenspiel, das Pallett wieder und wieder loopt, um so dichte und vielschichtige Klangmuster zu erzeugen. Gestützt wird das durch die Arbeit der Prager Philharmonie, die Pallett’s Kompositionen noch eine zusätzliche Tiefe verleihen. Kombiniert mit Pallett’s unverkennbarer, glockenheller Stimme erzeugt sich auf diese Art eine abenteuerliche akustische Reise durch eine fantastische Welt. Mit der Idee eines Konzeptalbums, in der sich Künstler sonst verzetteln und dem Hörer meist unhörbare Werke vorsetzen, die nur schwer zu schlucken sind, zeigt Pallett im Fall von „Heartland“ ein goldenes Händchen. Das Album wirkt dadurch in sich geschlossener als die beiden Final Fantasy Vorgängeralben und so kann „Heartland“ über die gesamten 45 Minuten fesseln. Die ganzen Kleinigkeiten und Spielereien, die sich in den Stücken verstecken sind zusätzliche kleine Belohnungen ihres Schöpfers, die das Album auch nach dem x-ten Hördurchgang noch spannend halten und „Heartland“ zu einem fantasievollem, zeitlosen Songzyklus über Begierde, Liebe und Selbstfindung machen. Ein Zyklus, bei dem Pallett stolz sein kann erstmals seinen eigenen Namen auf das Cover zu schreiben.

Rating: ★★★★★
Owen Pallett
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Discussion

  1. […] dass der Kanadier Owen Pallett seinen Künstlernamen Final Fantasy ablegte und mit dem großartigen “Heartland” das erste Album unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichte. Am 13. März 2014 erscheint mit […]

    Posted by Owen Pallett – Album-Trailer zu “In Conflict” (Release 13. Mai 2014) | WhiteTapes | Februar 6, 2014, 5:11 pm
  2. […] der Kanadier Owen Pallett seinen Künstlernamen Final Fantasy ablegte und mit dem großartigen “Heartland” das erste Album unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichte, erscheint am 9. Mai 2014 mit […]

    Posted by Owen Pallett – Video zu “The Riverbed” | WhiteTapes | Februar 28, 2014, 5:56 pm

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