Rezensionen

Other Lives – Tamer Animals

Stillwater in Oklahoma ist ein gutes Pflaster für Musik. Der amerikanische Rolling Stone wird hier gedruckt und auf der The Strip genannten Kneipenmeile lässt sich das ein oder andere mal eine Band entdecken, die nicht nur der großen lokalen Studentenszene gefällt, sondern es auch international zu einiger Bekanntheit bringt. Darunter etwa die All-American Rejects, Jason Boland oder auch Other Lives, die zweifelsohne wohl eine der Neuentdeckungen schlechthin auf dem diesjährigen Haldern Pop Festival (hier unser Bericht) waren.

Bereits vor sieben Jahren gründete sich die Band damals noch unter dem Namen Kunek und veröffentlichte 2006 das Debüt „Flight of the Flynns“. Es folgte eine Umbenennung in Other Lives und 2008 der Release des ebenso betitelten Albums. Nun wurden auch die Macher von Grey’s Anatomy auf die Band aufmerksam und auch Thom Yorke, Wayne Coyne und Phillip Glass bekannten sich als Fans der Band. Kein Wunder also, dass zumindest in den USA bereits größere Erwartungen in „Tamer Animals“ gesetzt wurden. Produziert hat es Joey Waronker, der sich auch schon für Beck und Wilco an den Reglern verdient gemacht hat und das Ergebnis ist ein düsterer Roadtrip durch Folk, Indie-Rock, Americana und Chamber Pop irgendwo zwischen Radiohead, Midlake, My Morning Jacket und Wintersleep.

Der Opener „Dark Horse“ treibt den Hörer in einem dunklen Stakkato voran zu Streicherarrangements, die auch von Ennio Morricone stammen könnten. Dazu schwereloser Melodigesang, wie ihn die Fleet Foxes nicht besser hinkriegen könnten. In „As I Lay My Head Down“ legen Other Lives noch eine Spur Dramatik oben drauf und erzeugen zu einem dunklen Space-Western-Sound eine unglaublich dichte, beinahe unwirkliche Stimmung. Einer der stärksten Tracks des Albums ist der Titel-Song „Tamer Animals“ mit toller Klaviermelodie und einem tollen Spannungsbogen, das alle Stärken des Albums in nur vier Minuten vereint.

Nach der 45 minütigen Reise durch das gleichzeitig gespenstisch melancholische, als auch belebend marschierende „Tamer Animals“ bleibt nur ein Schluss, diese Band aus Oklahoma ist eine der derzeit spannendsten Folk-Bands aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die all die Aufmerksamkeit, die ihr in nächster Zeit geschenkt wird mehr als verdient.


Other Lives – For 12 von Joel-Spiggott

Facebook // Homepage // Label

Discussion

Comments are closed.

Archive