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Ólafur Arnalds – For Now I Am Winter

Ólafur Arnalds - For Now I Am Winter

Der gerade einmal 27 Jahre alte Isländer Ólafur Arnalds darf wohl ohne Zweifel als einer der umtriebigsten Künstler des von Popkritikern gerne als Neo-Klassik bezeichneten Genres beschrieben werden. Seit 2007 veröffentlichte er jährlich mindestens einen Release, sei es nun eine EP, ein Album oder ein Soundtrack. So kommt er laut Wikipedia in den letzten sechs Jahren auf zehn Releases unter seinem eigenen Namen, von Kollaborationen und Nebenprojekten, wie Kiasmos einmal ganz abgesehen. Das Album „For Now I Am Winter“ ist beim Output von Ólafur Arnalds und seiner ungebremsten Experimentierwut eigentlich nur ein logischer Schritt. Das führt ihn für einen kleinen Ausflug weg von seinem Heimatlabel Erased Tapes (dem er für zukünftige Alben aber treu bleiben möchte), hin zum Klassik-Label von Universal Records. „Oh nein, Major-Label!“ wird die Indie-Polizei nun wieder rufen. Aber glücklicherweise bedeutet der Wechsel eines Künstlers zu einem Major schon lange nicht mehr, dass ein Künstler seine Seele verkauft, oder sich in seiner Kreativität unterwirft. Im Fall von Ólafur Arnalds hat ihn der Wechsel sogar ermutigt und auf neue Wege geführt. Andere Künstler wählen dafür einen anderen Projektnamen und Arnalds kann sich eben den Luxus gönnen dafür ein anderes Label zu wählen.

Okay, ganz so wild ist der Richtungswechsel dann auch nicht, einen ziemlich offensichtlichen Unterschied zum bisherigen Schaffen von Ólafur Arnalds gibt es dann aber doch. Auf „For Now I Am Winter“ wird nämlich gesungen. Nicht vom Küntsler selbst, sondern von Arnór Dan Arnarson, der seines Zeichens Sänger der Band Agent Fresco ist. Der größte Teil der restlichen Zutaten ist gleich geblieben. Arnalds mischt klassische Arrangements aus Streichern und Klavier mit geloopten Elektro- und Ambientfrickeleien zu wachsenden Soundteppichen, die immer luftig durch den Raum schweben. Bei einigen Stücken verdichtet er jetzt jedoch noch mehr, reichert die Songs auch mal mit Beats an und erschafft auf diese Art beinahe so etwas wie klassische Dancestücke. Sehr schön zu hören bei „Old Skin“, das im Zusammenspiel mit dem Gesang von Arnór Dan Arnarson beinahe an Songs vom Kyte Debüt erinnert. Einziges Manko an den Gesangspassagen ist allerdings, dass der Einsatz immer identisch erfolgt. So ist man sich trotz anderer Stimmung der Instrumentierung nie ganz sicher, ob man diesen einen Song nicht gerade schon einmal gehört hat. Ein wenig mehr Variation durch Arnór Dan Arnarson hätte da schon gut getan. Davon abgesehen ist „For Now I Am Winter“ aber wieder ein wunderbar atmosphärisches, traumwandlerisches Album, das den Hörer in tolle Soundlandschaften entführt.

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    Posted by WhiteTapes Record Of The Year 2013 – das Ergebnis | WhiteTapes | Januar 1, 2014, 2:06 pm

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